Wildsammlungen bedrohen unsere Heilpflanzen

Weltweit besteht ein großer Bedarf an Medizinalpflanzen, die immer noch größ- tenteils aus Wildsammlungen stammen. Umweltschutzorganisationen suchen nun nach Konzepten, um Probleme wie Artensterben und mangelnde Kenntnisse von Sammlern nachhaltig zu lösen.

Heilpflanzen sind weltweit begehrt und mittlerweile ein wichtiges Handelsgut: 400.000 Tonnen (!) sollen es laut World Wide Fund For Nature (WWF) jährlich sein, die für Arzneimittel, Kosmetika oder Reinigungs- mittel gebraucht werden – mit stetig steigen- dem Bedarf. Der größte Anteil der gehandelten Pflanzen stammt nach wie vor aus Wildsammlungen, daher sind von etwa 70.000 genutzten Heilpflanzenarten etwa 15.000 durch die sogenannte Übernutzung und auch durch Lebensraumverlust bedroht. Der Grund ist, dass durch Unkenntnis und Unachtsamkeit bei der Ernte oft viele Heilpflanzenarten unwiederbringlich verloren gehen – und mit ihnen auch so manche Tierart, wenn diese in enger Symbiose mit einer gefährdeten Pflanzengattung lebt.

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nutzen 80 Prozent der Weltbevölkerung Heilpflanzen. Außerdem würden etwa ein Viertel aller bekannten Pflanzen medizinisch genutzt werden. Die Beliebtheit resultiert aus dem traditionellen Gebrauch von Heilpflanzen, denn viele Länder Afrikas, Asiens und Europas blicken auf eine jahrhunderte-, manchmal sogar Jahrtausende alte Tradition der medizinischen Verwendung von Heilpflanzen zurück. Vor allem in ärmeren Ländern ist der Griff zu einheimischen Heilmitteln oft die einzig mögliche Hilfe bei Erkrankungen.

In den westlichen Industrienationen haben natürliche Heilmittel einen guten Ruf, weil sie als „sanfter“ oder nebenwirkungsfreier als chemisch hergestellte Medikamente eingeschätzt werden. In Zeiten der Globalisierung werden jedoch nicht nur einheimische, sondern vermehrt auch Heilpflanzen von anderen Kontinenten nachgefragt. Dabei handelt es sich um Rezepturen aus den Medizinschulen Südamerikas, Afrikas oder Südostasiens. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich somit auch in Europa Heilmittel, die aus den bekannten Medizinsystemen Indiens (dem Ayurveda) oder Chinas (der Traditionellen Chinesischen Medizin) stammen.

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