Hashimoto-Thyreoiditis aus neuer Sicht: jodarme Kost und klassische Homöopathie

 

von Clementina Rabuffetti

 

In den letzten Jahren haben Schilddrüsenerkrankungen stark zugenommen: Über- und Unterfunktion, Kropf, heiße und kalte Knoten, Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis. „50% der BRD ist  Schilddrüsenkrank“ erklärt Frau Dr. Lixfeld, bekannte und erfahrene Schilddrüsenärztin  in ihrem Schilddrüsenseminar in Berlin.

Als ich meine Praxis eröffnete, vor 25 Jahren, kamen Schilddrüsenkrankheiten eher selten vor, gelegentlich gab es jemand mit einer Vergrößerung bzw. einer Unterfunktion. Im selben Jahr gab es den Atomunfall in Tschernobyl, der mich dazu animierte, auf Grund der Wirkung von Radioaktivität auf die Schilddrüse, mich mit dem Thema intensiver zu beschäftigen.

1993 durch die sogenannte „2. Verordnung zum Jodsalz“ (s. später) wurde es für mich klar, dass die Schilddrüse auf dem Weg war, ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.

 

Hashimoto-Thyreoiditis

Die häufigste Schilddrüsenkrankheit ist heute die Hashimoto-Thyreoiditis auch Autoimmunthyreoiditis (AIT) genannt. Am meisten sind Frauen betroffen (90%). Diese Erkrankung bleibt viele Jahre unerkannt und kann ganz verschiedene Beschwerden verursachen, die oft nicht richtig interpretiert werden.

Die erste Phase fängt mit einer Überfunktion der Schilddrüse an: Herzjagen, Durchfälle, Gewichtsabnahme bei gutem Appetit, Unverträglichkeit von Hitze, Unruhe, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit. Sie dauert nur wenige Wochen.

Danach kommt eine „stumme Phase“, die auch mehrere Jahre dauern kann, in der der Organismus Antikörper (TPO-Antikörper) produziert, die sich an den Schilddrüsenzellen andocken und so verhindern, dass diese Bereiche arbeiten. Die Folge: wenig bis kein Hormon wird von den betroffenen Stellen produziert. Das führt langsam zu einer Unterfunktion und zu einer Schrumpfung der Schilddrüse.

Bei der Unterfunktion, die auf Grund einer Hashimoto-Thyreoiditis entstanden ist, finden wir selten das traditionelle klinische Bild der Unterfunktion mit langsamem Puls, Verstopfung, Frieren, Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, Zyklusstörungen, Müdigkeit, Antriebsarmut.

Oft leiden die Betroffenen unter Herzrasen, Herzstolpern, Unruhe, gesteigerte Nervosität, Depressionen, Panikzustände, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit, trockene Schleimhäute, Gelenk- und Muskelschmerzen, Verhärtungen von Muskeln und Sehnen, Karpaltunnelsyndrom. Das subjektive Allgemeinbefinden ist schlecht, die Leistungsfähigkeit extrem erniedrigt.

Frau Dr. Lixfeld sagt: „Hashimoto kann alle Symptome nachmachen. Es ist der Clown der Medizin! 1000 Patienten mit Hashimoto und 1000 verschiedene Verläufe. Man weiß nicht, warum jeder anders reagiert.“

Oft stelle ich fest, dass die Patientinnen, die mit dieser Diagnose zu mir kommen, jahrelang nach einem Grund für ihre Beschwerden gesucht haben. Manche wurden für depressiv, andere für hysterisch gehalten, manchen wurde gesagt, dass ihre Beschwerden durch Bewegungsmangel und zu viel Essen kamen, anderen wurde erklärt, dass  sie „nervös“ oder „gestresst“ waren, manche wurden für Simulantinnen erklärt. Die meisten hatten einen so starken Leidensdruck, dass sie viele verschiedene Ärzte aufgesucht hatten, ohne eine Lösung zu finden. Die Diagnose wurde meist sehr spät gestellt.

 

Diagnose, Therapie und Verlauf

Nach einer körperlichen Untersuchung sind das Abtasten der Schilddrüse, ein Ultraschall und einige Laborwerte (TSH/Schilddrüsenstimulierendes Hormon, fT4, fT3, Antikörper/TPO-Ak und Tg-Ak) eine sichere Hilfe, um eine Hashimoto-Thyreoiditis zu diagnostizieren.

Wenn der TSH-Wert zu hoch ist, wird der Arzt synthetische Schilddrüsenhormone verordnen. Sie müssen meist ein Leben lang eingenommen werden.

Ist der TSH-Wert in der Norm, wird eine jährliche Kontrolle empfohlen, weil die Unterfunktion irgendwann deutlicher wird.

Die Einnahme von Schilddrüsenhormonen kann weder die Erkrankung aufhalten noch heilen. Sie gleicht lediglich die unausreichende Hormonmenge aus und hat keinen Einfluss auf die Schrumpfung der Schilddrüse  und auf  die krankhafte Produktion von Antikörpern. Ist ein Kranker „gut eingestellt“, bedeutet es, dass seine TSH-Werte wieder in der Norm liegen. Die Krankheit besteht aber weiter.

Die Antikörper sind manchmal höher manchmal niedriger, weil die Hashimoto-Thyreoiditis in Schüben verläuft.

Da die Unterfunktion den gesamten Stoffwechsel betrifft, hat eine Hashimoto-Thyreoiditis, auch wenn sie mit Medikamenten behandelt wird, Auswirkungen auf den gesamten Organismus. Sie ist nicht nur eine Krankheit der Schilddrüse.

Ein Viertel der Hashimoto-Patienten erkranken später an einer weiteren Autoimmunerkrankung, wie z.B. Diabetes Typ I, Vitiligo, rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus, Zöliakie.

 

Ursachen von Schilddrüsenstörungen

Eine familiäre Belastung ist sicher im Spiel, aber sie reicht nicht aus um zu erklären, warum heute so viele unter Hashimoto leiden.

Andere Faktoren sind: Hormonelle Umstellung (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre), die langjährige Einnahme der Antibabypille, lang anhaltender Stress, große psychische Belastung, Impfungen.

Eine große Rolle spielt die Unterdrückung im homöopathischen Sinne: Die Symptome einer Erkrankung werden mittels Medikamente zum verschwinden gebracht, ohne die Krankheit zu heilen. Die erste Folge ist, dass die geschwächte Lebenskraft die Beschwerden immer wieder produziert, wie z.B. bei immer wiederkehrenden Infekten.

Die schlimmere Folge ist, dass die Beschwerden sich in „tiefere“ Bereiche verlagern, z.B. auf einem behandelten Schnupfen folgt eine Bronchitis, auf einem mit Medikamenten blockierten Heuschnupfen folgt Asthma: Die Erkrankung, die zu Beginn an der Peripherie (Nase) wirkte, ist jetzt ins Innere (Bronchien) eingedrungen.

Noch schlimmere Folgen sind zu erwarten, wenn der Gesundheitslevel stark gesunken ist. Nach Jahren von Dauerstress, schwerer psychischen Belastung bzw. Unterdrückung von allen möglichen Beschwerden, wandert die Krankheit in eine sehr tiefe Ebene, wie die Ebene der endokrinen Drüsen (Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse). Jetzt sind die Folgen gravierender, manchmal sogar lebensbedrohlich. Je schwächer die Lebenskraft der Patientin, desto schlimmer die Folgen.

Der letzte Tropfen, der Zünder der heutigen Schilddrüsenerkrankungen und der Hashimoto-Thyreoiditis ist ein dauerhaft erhöhter Jodkonsum.

 

Wie viel Jod können wir vertragen?

Deutschland wurde von der WHO zum Jodmangelgebiet deklariert. Das war der Anlass, um eine Jodmangelprophylaxe als Vorbeugung von Schilddrüsenerkrankungen zu starten. 1989 wurde eine Kennzeichnung der mit Jod angereicherten Produkten Vorschrift.

Da die Verbraucher sehr skeptisch blieben und jodierte Speisen mieden, kam es 1993 zur „2. Verordnung zur Änderung der Vorschriften über jodiertes Speisesalz“. Dadurch fiel die Deklarationspflicht weg. Die Folge ist, dass wir seit fast 20 Jahren nicht wissen können, ob ein Lebensmittel Jod enthält oder nicht, und, falls auf der Packung „Jodsalz“ steht, wissen wir nicht wie viel. Dadurch haben  wir keinen Überblick über den täglichen Jodkonsum.

In der Schule lernen wir, dass Jod lebenswichtig ist. Und das stimmt. Es ist für die Bildung von Schilddrüsenhormonen notwendig. Zu wenig Jod kann z.B. Kropf verursachen, aber auch zu viel Jod kann dasselbe bewirken.

Wie viel Jod ist dann notwendig? Die Angaben der empfohlenen Einnahme variieren stark und berücksichtigen nicht, dass viele Leute Jod schlecht vertragen. Wir erleben dasselbe mit Kaffee: einer verträgt  Kaffee gut, ein anderer wird davon nervös, ein Dritter bekommt Schlafstörungen und ein vierter braucht ihn sogar, um besser einzuschlafen.

Jod ist ein gefährlicher Stoff, das steht fest. Vor der 2. Verordnung (1993) war es als Medikament in der Apotheke erhältlich. In den medizinischen Wörterbüchern gab das Wort

„Jodismus“, chronische Jodvergiftung nach längerer Anwendung von Jod oder Jodsalzen. Diesen Begriff suchen wir heute in den medizinischen Lexika vergeblich.

Viele Webseiten beschäftigen sich heute mit der Thematik. Neben den offiziellen Seiten vom Arbeitskreis Jodmangel und der Pharmaindustrie haben wir eine Fülle von kritischen Seiten von Betroffenen und Selbsthilfegruppen, mit einem soliden Wissen und gutem Informationslevel. Das zeigt, dass heute die Verbraucher kritischer geworden sind und dass die Erkrankten nicht mehr bereit sind, alles hinzunehmen, sondern selber mitbestimmen möchten.

 

Folgen der Lebensmitteljodierung

Die Ergebnisse der Jodmangelprophylaxe in anderen Ländern sind besorgniserregend:  Gehäuftes Auftreten von Kropf in USA, Kolumbien, Japan, China, verstärktes Vorkommen  von Überfunktion in USA, Österreich, Tasmanien, Niederlande, CSSR, DDR, Jugoslawien, Argentinien, Pakistan.

Das Traurige dabei ist, dass diese Erkrankungen verstärkt auftreten genau als Folge einer Maßnahme, die sie verhindern sollte!

In Deutschland erleben wir ein ähnliches Schicksal. Die Jodmangelprophylaxe hätte die Kropfrate reduzieren sollen, in der Realität haben die Kropfoperationen zugenommen. Die Fälle von Schilddrüsenüberfunktion und Morbus Basedow (eine autoimmune Form der Überfunktion) sind gestiegen.

„Durch die Jodierungskampagne leidet 10% der Bevölkerung“, sagt Prof. Hengstmann, erfahrener Endokrinologe und ehemaliger Leiter der Schilddrüsenambulanz in Urban Krankenhaus, Berlin.

Die Erkrankung, die sich seit Mitte der neunziger Jahre massiv ausbreitet, ist die Hashimoto-Thyreoiditis.

Es ist bekannt und dokumentiert, dass diese Krankheit in jodarmen Gegenden selten vorkommt, in Gegenden mit jodreicher Kost jedoch häufig auftritt. Zuerst wurde sie in Japan beobachtet und beschrieben

Die interessante Doktorarbeit von Dr. Tom Wuchter an der FU Berlin, der in der Schilddrüsenambulanz im Urban Krankenhaus, Berlin, Erfahrungen gesammelt hat, belegt, dass der Morbus Hashimoto eine Folge eines erhöhten Jodkonsums ist.  Patienten mit einer  Unterfunktion, die auf Grund von Morbus Hashimoto entstanden ist, erreichten wieder eine normale Schilddrüsenfunktion durch reduzierte Jodaufnahme.

Aus meiner Erfahrung ist eine jodarme Kost, gekoppelt mit klassischen Homöopathie, ein guter Weg für Hashimoto-Kranke: Innerhalb kurzer Zeit haben sie weniger Beschwerden und erleben längerfristig eine deutliche Besserung der Schilddrüsenbefunde, sogar bis zum dauerhaften Verschwinden der Antikörper und zur Stabilisierung der TSH-Werte.

 

Aktuelle Zahlen der Hashimoto-Thyreoiditis

Die offiziellen Daten sprechen von 3-4%.

In einem Artikel von Prof. Grünwald und Dr. Middendorp (Dt. Ärzteblatt 2008) erfahren wir, dass 13% der Bevölkerung unentdeckte TPO-Antikörper aufweist (diese Antikörper sind oft bei Hashimoto erhöht). Das ist das Ergebnis von Reihenuntersuchungen der Jahre 2006-7.

Daraus können wir schließen, dass die Dunkelziffer noch höher ist. Man spricht von 20-25% der Bevölkerung.

Längerfristig ist es zu erwarten, dass wir in naher Zukunft mehr Hashimoto-Kranke als Diabetiker haben werden.

 

Universaljodierung oder Science Fiction?

In Deutschland und in den meisten europäischen Ländern herrscht die Meinung, dass wir Jod brauchen, um Schilddrüsenkrankheiten vorzubeugen. Dass jodempfindliche Menschen dadurch krank werden, müssen wir „in Kauf nehmen“, schreibt Prof. Skriba vom Arbeitskreis Jodmangel.

Auf  Weltebene strebt die WHO die „Universale Salzjodierung“ (USI) an. In ihrer Publikation lesen wir, dass Überfunktion und Schilddrüsenknoten bei Jodmangelprophylaxe „vorübergehende Phänomene“ sind.

Dass viele Menschen durch Jodierungsmaßnahmen leiden, ist der Wissenschaft schon  lange bekannt. In Publikationen vom Öffentlichen Gesundheitsdienst aus dem Jahr 1938 lesen wir, dass “Jod bei jodempfindlichen Menschen selbst in kleinsten Mengen zu lebensbedrohenden Störungen der Schilddrüse führen kann“.

 

Wo ist Jod enthalten?

Viele denken, dass eine jodarme Kost schnell zu organisieren ist, wenn wir kein Jodsalz verwenden, auf Seefisch und Sushi verzichten.  In der Realität ist die Sache komplexer, weil Jod, nach dem Gießkannenprinzip verteilt, überall zu finden ist.

Die üblichen Tabellen über den Jodgehalt in Lebensmitteln stammen aus der Zeit vor der Jodierung und sind auf keinem Fall zuverlässig.

Die Verwendung von jodiertem Tierfutter macht tierische Produkte zu großen Jodlieferanten, an erster Stelle in Deutschland stehen Milch und Milchprodukte. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest in November 2007 ergibt einen so hohen Jodgehalt in der Milch, dass ein Liter die empfohlene tägliche Jodmenge völlig abdeckt.

Brot wird häufig jodiert. Danach folgen Fleisch und Wurst, Eier, Geflügel, gezüchtete Süßwasserfische. Auch das Wild bekommt Jod durch im Wald ausgelegte jodierte Lecksteine.

Bio-Lebensmittel können auch Jod enthalten: mehrere Biobauern verwenden jodiertes Tierfutter. Ideal wäre, die Hersteller direkt zu befragen, weil die Bioläden über diese Thematik oft nicht gut informiert sind.

Es gibt viele andere versteckte „Jodfallen“. Um nur einige Beispiele zu nennen: der Farbstoff Erythrosin (E127), Verdickungsmittel aus Algen (E 400 bis 407). Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten Jod in nicht geringen Mengen.

Jodsalz und jodhaltigen Zutaten werden in Kantinen, Schulen, Gaststätten, Krankenhäusern und Kurheimen verwendet. Keiner kann sich so einfach dem alltäglichen Jod entziehen, weil die Richtlinien von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gegeben werden, die noch daran glaubt, dass Deutschland „Jodmangelland“ ist.

In Deutschland wird der tägliche Jodbedarf auf 150-200  Mikrogramm pro Tag von den offiziellen Quellen geschätzt. Ein Flyer der Berliner Selbsthilfegruppe „Jodsensibel?!“ zeigt ein Beispiel des täglichen Jodkonsums eines Durchschnittsbürger: Der Konsum liegt deutlich höher als die empfohlene tägliche Jodmenge von 150-200 Mikrogramm/Tag.

(Bitte Tabelle aus dem Flyer einfügen)

 

Klassische Homöopathie und Hashimoto

Hin und wieder bekomme ich Anrufe in diesem Ton: „Im Internet habe ich gelesen dass XX, (und hier kommt der Name eines homöopathischen Mittels) sehr gut bei Hashimoto wirkt. Haben Sie Erfahrungen damit?“ oder „Ich habe gelesen dass das homöopathisches Mittel YY statt L-Thyroxin eingenommen werden kann. Stimmt es?“ 

Echte Homöopathie funktioniert anders, auf jeden Fall nicht nach der Etikette der Krankheit.

Natürlich will ich die Laborwerte und die Befunde sehen, da sie Informationen über den aktuellen Zustand liefern. Darauf verschreiben kann man aber nicht. Als Homöopathin ist es meine Aufgabe, nach einem individuellen Mittel zu suchen.

Dafür brauche ich ein langes Gespräch von 2, manchmal 3 Stunden über viele Aspekte des Lebens des Patienten, weil sie die individuellen Informationen liefern, die nötig sind für die Suche nach dem passenden Mittel. Heute haben wir neben verschiedenen traditionellen Befragungs- und Analysetechniken die Empfindungsmethode, die vom indischen Homöopathen Dr. Sankaran entwickelt wurde. Sie erlaubt, im Gespräch tiefer zu gehen und viel genauer zu verschreiben.

Nach dem Gespräch nehme ich mir Zeit, um alles zu analysieren und suche nach dem richtigen Mittel in einem Pool von Hunderten. Die Informationen über die homöopathischen Mittel stammen aus den Arzneimittelprüfungen, die Homöopathen aller Länder in mehr als 200 Jahren gesammelt haben.

 

Beispiele von homöopathischen Mitteln mit Bezug zu Schilddrüsenerkrankungen

In den Repertorien, Buchern die viele Symptome enthalten und die dazugehörige Mittel auflisten, finden wir mindestens 150 Mittel für Schilddrüsenstörungen. Bei den aktuellen Kenntnissen über die Substanzen steigert sich ihre Anzahl auf mehrere Hunderte. Die Auswahl sollte ein erfahrener Homöopath treffen. Bei chronischen Erkrankungen ist von Selbstbehandlung abzuraten. Nehmen wir als Beispiel zwei Gruppen von Mitteln.

 

Schlangen

Die Homöopathie kennt mehr als 20 Schlangenmittel. Bei ihnen finden wir Symptome, die mit zusammenschnüren, zusammenpressen und quetschen zu tun haben. Das bewirkt das Gefühl von Enge und Zusammenziehen.

Menschen, die Schlangenmittel brauchen, sprechen auch von würgen und ersticken.

Die Enge haben sie mit vielen anderen Mitteln gemeinsam (Belladonna, Calcium, Lycopodium, Phosphor, Pulsatilla und vielen anderen), das Erstickungsgefühl z.B. mit Apis, Causticum, Graphit, Phytolacca, Veratrum u.a.

Sie sind eifersüchtig, misstrauisch. Konkurrenz ist stark präsent: sie vergleichen sich mit anderen, die schöner, reicher, intelligenter oder mächtiger sind. Hier müssen wir gut differenzieren, weil Konkurrenz auch  bei vielen Mitteln tierischer Ursprungs und bei manchen Metallen bekannt ist.

Sie warnen, drohen und dann greifen an. Oder sie verstecken sich und agieren aus dem Hinterhalt. Ihre Strategie ist zu täuschen bzw. manipulieren, aber sie können genau so gut  Opfer von Täuschung und Manipulation werden.

 

Kohlenstoffverbindungen

Viele Substanzen enthalten Kohlenstoff  als Hauptelment, es sind circa 200 Mittel, u.a. die bekannten homöopathischen Mittel Carbo-vegetabilis, Graphit, Petroleum und die Carbonate von Calcium, Kalium, Magnesium, Natrium, Strontium, Barium.

Konzentrationsstörungen und Gedächtnisschwäche sind sehr häufig, dadurch fällt z.B. das Lesen sehr schwer, kann sogar Kopfschmerzen und Schwindel hervorrufen. Schwäche und starke Müdigkeit sind ausgeprägt und zeigen dass die Lebenskraft gestört ist.  Nicht selten finden wir Geldsorgen und finanzielle Ängste, dazu auch ein geringes Selbstwertgefühl.

Menschen, die eine Carbon-Verbindung brauchen, haben oft eine Unverträglichkeit für viele chemische Stoffe: Reinigungsmittel, Parfüm, Lösungsmittel. Sie können Probleme durch Sonne entwickeln: Kopfschmerzen, Hautbeschwerden und, auch wenn es ein Paradox ist, sind sehr kälteempfindlich.

Die einzelnen Symptome finden wir auch bei anderen Mitteln, es ist aber die Mischung der individuellen Erscheinungen, die Wahl anzeigend ist.

 

Verlauf der homöopathischen Behandlung

Nur ein homöopathisches Mittel wird verschrieben, kein Cocktail aus verschiedenen Mitteln.

Eventuelle Schilddrüsenhormone werden nicht abgesetzt, sonder weiter eingenommen. Sollten sich später die Laborwerte ändern, kann man die Dosierung ändern bzw. die Tabletten  ganz absetzen. Wenn das homöopathische Mittel gut gewählt ist, wirkt es trotz synthetischer Medikamente.

Bei Menschen mit Hashimoto empfehle ich zusätzlich eine jodarme Kost.

Innerhalb einigen Wochen will ich die Patientin wieder sehen. Dieses  2. Gespräch ist genauso wichtig wie der erste, weil ich überprüfen möchte, ob das Medikament global wirkt oder ob ich nach einem Folgemittel suchen muss. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, werden sich die Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis nicht so schnell ändern. Die Lebenskraft wird jedoch angeregt und man kann an Hand von anderen Zeichen, Veränderungen im Allgemeinbefinden und im Energiehaushalt bzw. in der Psyche ablesen, ob und wie das Mittel wirkt.

Wie lange dauert eine homöopathische Behandlung? Bei schweren chronischen Krankheiten auch mehrere Jahre. Ich will die Patientin nicht oft sehen: Im ersten Behandlungsjahr alle 2 Monate, später in größeren Abständen.

Auch die Vorgeschichte, die Familienbelastung, die vorausgegangenen Unterdrückungen von Krankheiten spielen eine große Rolle im Behandlungsverlauf.

Durch die homöopathische Behandlung erlebe ich immer wieder dass sich die Chancen einer Heilung bzw. Besserung mehren, dass die Lebenskraft gestärkt und angeregt wird, dass  Energie und Lebensfreude sich wieder durchsetzen.