Lebendige Hausfassaden aus Pilzen und Bakterien

An Hausfassaden fast immer bekämpft als schädliches Ungeziefer, könnten Mikroorganismen in Zukunft Städten zu einer besonders umweltfreundlichen Architektur verhelfen. Wissenschaftler aus aller Welt beschäftigen sich zunehmend mit der Fähigkeit von Bakterien und Pilzen, Innenstädte als lebendige Haut vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen.
Cyanobakterien etwa entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid und geben Sauerstoff an ihre Umgebung ab. Bestimmte Schimmelpilze wiederum bewahren Bausubstanz vor Verwitterung, indem sie sich zwar oberflächlich ansiedeln, das darunterliegende Material jedoch intakt lassen. Und in Tonkapseln eingeschlossene Bakterien im Beton aktivieren sich bei Feuchtigkeit und Rissbildung von selbst und versiegeln entstandene Schäden mit Calciumcarbonat.
Auch wenn die Forschung derzeit noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es durchaus schon fortgeschrittenere Projekte wie z. B. das EU-Projekt Remedy. Hier werden bereits mikrobielle Fassaden-Tinten für den industriellen Einsatz entwickelt, die CO2 binden, die Luft reinigen und vor Keimbefall schützen.
Andernorts wird an lumineszierenden Mikroorganismen geforscht, die künftig komplette Straßenzüge beleuchten könnten. Da allein in Europa in den nächsten Jahren Milliarden von Quadratmetern an Hausfassaden saniert bzw. neu gebaut werden sollen, eröffnet sich für die lebendige Beschichtung ein großes Potenzial.
© Natur & Heilen, Oktober 2025
