Starke Schmerzen bei Fibromyalgie

Seit vielen Jahren leide ich an Fibromyalgie mit starken Schmerzen. Warum können die Ärzte meist nicht helfen?
 
Antwort:
Die Fibromyalgie ist eine nichtentzündliche Schmerzerkrankung, die durch diffusen chronischen Schmerz und weitere körperliche Symptome gekennzeichnet ist, ohne dass jedoch eine fassbare Ursache zugrunde liegt. Betroffen sind hauptsächlich Frauen, die Erkrankung beginnt meist gegen Ende 20 und ist mit etwa Mitte 30 voll entwickelt, sie hat bei Frauen einen Häufigkeitshöhepunkt im und nach dem Klimakterium. Selten sind auch Kinder und Jugendliche betroffen.

Die Hauptsymptome sind immer wiederkehrende chronische Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, Müdigkeit und allgemeine Schwäche, Konzentrationsstörungen bis hin zur völligen Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) sowie Ein- und Durchschlafstörungen. Von den Schmerzen besonders betroffen sind Rücken, Nacken und Brustkorb. Begleitsymptome sind Schwellungsgefühl in den Händen, Füßen oder dem Gesicht, sowie Morgensteifigkeit, Reizdarmsyndrom, häufige Kopfschmerzen, Trockenheit bzw. Überempfindlichkeit der Schleimhäute sowie Angstzustände und depressive Verstimmungen. Die vegetativen Beschwerden sind oftmals sehr stark ausgeprägt. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde mittlerweile eine erhöhte Geräusch-, Licht- und Kälteempfindlichkeit. Organ- und Gewebeschäden sind bisher nicht nachweisbar, obwohl massive Störungen in der Funktion der inneren Organe auftreten können, insbesondere zu Beginn der Erkrankung. Die Symptomatik ist für viele Betroffene sehr belastend, häufig wird die Diagnose Fibromyalgie erst sehr spät nach 8-10 Jahren gestellt, da auch viele Ärzte die Erkrankung bisher nur unzureichend kennen.

Während für gewisse Fibromyalgie-Patienten vor allem die Schmerzen im Vordergrund stehen, leiden andere Betroffene hauptsächlich unter Müdigkeit, Verspannungen, Konzentrationsstörungen und einer Unfähigkeit zur Erholung. Die Fibromyalgie kann plötzlich ausbrechen, nach einer grippeähnlichen Erkrankung oder auch schleichend beginnen. Kälte, Nässe oder äußere Belastungen können zur Verschlimmerung führen, das Vollbild der Erkrankung bildet sich nur langsam über Jahre heraus. Die einzelnen Schübe folgen keinem bestimmten Muster, jedoch treten sie besonders häufig nach akuten Infektionskrankheiten auf.
Stress ist ebenfalls ein ernstzunehmender Faktor. Viele Betroffene klagen über vermehrte Symptome (physisch oder psychisch), nachdem sie einer längeren Stressbelastung ausgesetzt waren. Aus diesem Grund ist ein rhythmisches, möglichst stressarmes Leben für Betroffene äußerst wichtig, auch um die Erkrankung dauerhaft lindern zu können.

Sowohl Röntgenbilder als auch Laborwerte können zur Diagnosestellung keinen eindeutigen Aufschluss geben. Meist werden "tender points" (druckempfindliche Stellen, die meist gelenknah an den Sehnen-Muskel-Ansätzen liegen) zu Hilfe genommen. Besteht bei 11 oder mehr von 18 "tender points" eine erhöhte Druckschmerzhaftigkeit, so liegt der Verdacht auf Fibromyalgie nahe. Sowohl die Ursache der Fibromyalgie als auch die Mechanismen der Krankheitsentstehung sind ungeklärt. Es besteht eine Vielfalt von Hinweisen, die genetische, hormonelle (z.B. Serotoninmangel wird diskutiert), psychische und weitere Faktoren betreffen. Als sehr wahrscheinlich gilt nach aktueller Lehrmeinung eine Störung in der Schmerzverarbeitung. Es liegen überdurchschnittlich häufig seelische Störungen wie Depressivität und Ängstlichkeit vor. Es ist bisher ungeklärt und Mittelpunkt der wissenschaftlichen Diskussion, inwieweit diese psychischen Störungen selber Folge der chronischen Schmerzen sind oder aber die Symptome der Fibromyalgie eine zugrundeliegende psychische Störung reflektieren. In Untersuchungen konnte bei Fibromyalgie-Patienten ein häufigeres Vorkommen von körperlicher Misshandlung und sexuellem Missbrauch in der Vorgeschichte festgestellt werden.

Die Fibromyalgie ist durch schulmedizinische Maßnahmen in der Regel nicht heilbar. Daher kommt bei diesem Krankheitsbild der individuellen naturheilkundlichen Therapie eine besondere Bedeutung zu. Sehr wichtig sind Entspannungsverfahren wie Yoga, Atemtherapie oder achtsamkeitsbasierte Meditation. Wertvolle anthroposophische Heilmittel sind z.B. Solum Globuli (WALA) oder Solum Injektionen. Äußerlich kommen Bäder mit Solum-Extrakt oder Einreibungen der betroffenen Körperpartien mit Solum Salbe oder Öl in Betracht. Der darin enthaltene Moor-Extrakt wirkt durchwärmend, durchblutungsfördernd und schmerzlindernd. Auch der chinesischen Medizin kommt eine große Bedeutung zu. Eine gezielte Schmerzakupunktur unter Zuhilfenahme von einer vom TCM-Therapeuten zusammengestellten Kräutertinktur (Dekokt) kann oft sehr lindernd wirken. Generell sind alle Heilverfahren sinnvoll, die das Gewebe gut durchbluten, den Körper von Giftstoffen befreien und das Schmerzgedächtnis umgehen, wie z.B. Autosuggestion nach Emil Coué. Sie können auch einen auf Schmerztherapie spezialisierten Behandler in Ihrer Nähe oder ein ambulantes Schmerzzentrum einer Klinik hinzuziehen. Informationen erhalten Sie bei der Deutschen Schmerzliga e.V., www.schmerzliga.de. Sinnvoll kann auch eine stationäre Behandlung in einer Klinik sein, die speziell auf Fibromyalgie ausgerichtet ist.

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