Eingewachsene Zehennägel: Oft sind Pflegefehler schuld

Ich leide seit Jahren an eingewachsenen Großzehennägeln. Mein Arzt hat mich nun zur Operation überredet, da keine Besserung trotz Vorbeugemaßnahmen eingetreten ist. Gibt es da wirklich keine Möglichkeiten, um eine Operation zu vermeiden?

 

Antwort

Eingewachsene Großzehennägel sind schmerzhaft und lästig – und sie neigen dazu, immer wiederzukehren. In der Regel ist der Hang zum Einwachsen vielen Zehennägeln angeboren, d. h. es gibt Menschen, die eine besondere Veranlagung dafür haben. Nichtsdestoweniger können auch sie etwas dagegen tun.

So warnt Dr. Ulrich Schneppenheim, Fußchirurgie-Experte an den „DRK-Kliniken Berlin“, dass Pflegefehler das Einwachsen der Großzehennägel begünstigen würden: „Die Nägel werden in kunstvollen Ovalen abgeschnitten, anstatt gerade und parallel zur Zehenspitze.“ Manchmal kommt es beim falschen Schneiden der Nägel auch zu Verletzungen am Nagelbett, die das Einwachsen des Nagels begünstigen können. Enge Schuhe begünstigen ebenfalls das Einwachsen von Fußnägeln, vor allem dann, wenn sie spitz nach vorne zulaufen. Dass jedoch bestimmte Sportarten einen Risikofaktor darstellen würden, wie immer wieder zu hören ist, ist fraglich: Turnschuhe, in denen man viel schwitzt, können wohl Infektionen durch eingewachsene Zehennägel begünstigen, doch dass sie selbst zu eingewachsenen Nägeln führen, kommt eher selten vor. Denn die meisten Sportler achten ja darauf, ihre Füße nicht in zu enges Schuhwerk zu zwängen.

Falls es trotz dem Vermeiden „fußnagelfeindlicher“ Aktivitäten zum Einwachsen des Nagels gekommen ist, gibt es immer noch Einiges zu tun, um eine Operation zu vermeiden. So könnten Sie versuchen, den Nagelsporn durch schräges Einschneiden zu entfernen – am besten nach einem Fußbad, damit die Nagelsubstanz aufgeweicht ist. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein steriles Plastikröhrchen unter den seitlichen Nagelrand zu schieben. Der Nagel wird dadurch geschient und kann über das Nagelbett hinaus wachsen. Die Röhrchenmethode reicht in vielen Fällen aus, um das Einwachsen des Nagels dauerhaft zu verhindern.

Falls jedoch das Problem trotz aller Therapie- und Vorbeugemaßnahmen bestehen bleibt und möglicherweise sogar für eine permanente Entzündung am Nagelbett sorgt, bleibt nur noch die Operation beim Chirurgen. Hier kommt dann neben der offenen Nagelbett-Keilentfernung die so genannte Emmert-Plastik in Frage. Bei ihr wird neben dem seitlichen Nagelrand ein seitlicher Streifen Nagelbett bis zur Wurzel entfernt und der verbleibende Hautstreifen hochgenäht. Bis zur Heilung der Wunde vergehen sieben bis zehn Tage, an denen der Fuß hochgelegt werden muss. In den meisten Fällen hat der Patient danach keine Nagelprobleme mehr. Allerdings hat er nach dem Eingriff auch ein verkleinertes Nagelbett, was möglicherweise dem Einen oder Anderen aus kosmetischer Sicht nicht gefällt.

Die so genannten „Pincer Nails“, die sich an den Seiten steil nach unten bis ins Fleisch rollen,  lassen sich durch Nagelspannen beheben. Sie drücken auf die Mitte des Nagels und heben dadurch die seitlichen Nagelränder wieder nach oben. Die Erfolgsquote der Spangen liegt bei 95 %. Sie helfen jedoch nur bei den krummen „Pincer Nails“, bei flachen Nägeln bleiben sie wirkungslos.

J.Z.

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