Haut zum Sprühen statt Hauttransplantation

Ich habe von einem neuen Verfahren gehört, das bei Verbrennungen, Pigmentstörungen und Hauterkrankungen, die Narben hinterlassen, die Haut ohne Komplikationen wieder neu entstehen lassen kann. Können Sie mir mehr darüber erzählen?


Antwort

Die Zukunft in der Behandlung von schweren Hautdefekten hat schon begonnen: Mit Hilfe eines Sprühverfahrens ist es jetzt möglich, bei schweren Verbrennungen, Pigmentstörungen oder bei Narben etwa nach Tumorentfernungen, schneller und leichter als bisher neue, glatte Haut entstehen zu lassen.

Nach der erfolgreichen Erstanwendung des biotechnologischen Verfahrens „Recell“ (von der Firma „Clinical Cell Culture“ (C3) mit Sitz im britischen Cambridge) im Roten Kreuz Krankenhaus Kassel in diesem Jahr erweitert sich nun die Bandbreite der Anwendungsmöglichkeiten. So bietet  dieses neue Verfahren eine operative Therapiemöglichkeit für die Behandlung von Hauterkrankungen wie Hypopigmentierung, Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) und aknebedingte Narbenbildung. Bei dieser Operationstechnik zur Wundabdeckung gewinnt der Chirurg direkt am Operationstisch körpereigene Zellen in einem teilungsfähigen Entwicklungsstadium ohne mehrtägiges, vorheriges Anzüchten. Dabei dient das Recell-Kit als Mini-Labor und ermöglicht in 30 bis 45 Minuten die Aufbereitung der Zellen bis zum Auftragen. Für diesen Vorgang benötigt der Chirurg lediglich ein briefmarkengroßes Stück Spenderhaut. Mit Hilfe von Recell trennt der Arzt die Ober- und Unterhaut (Epidermis und Dermis), um aus der Grenzschicht die Mischung verschiedener Zelltypen zu gewinnen. Diese teilungsfähigen Zellen unterstützen die Selbstheilung aller Zellkomponenten der Oberhaut. Als Suspension (speziell aufbereitete Flüssigkeit) sprüht der Chirurg die Zellen auf die Wunde. Durch das Aufbringen der Zellen mit einer speziell entwickelten Spraydüse bleiben sie unbeschädigt. Damit bringt das neue Verfahren raschere Heilung bei kleineren Verbrennungen und Verbrühungen und ermöglicht die Behandlung von Hautschäden ohne wesentliche Narbenbildung oder Pigmentveränderung.

So gelang es der medizinischen Wissenschaftsgruppe um Prof. Navarro aus Boston (USA) und Perth (Australien) in ihren Forschungsarbeiten zu beweisen, dass funktionstüchtige Melanozyten aufgebracht werden konnten, die aktiv Melanin (verantwortlich für die Hautfärbung) produzierten. Folglich gelingt die Neubesiedelung des Hautdefektes mit Zellen entsprechend dem eigenen Hautton. Recell vermindert damit auch die Narbenbildung, wie sie etwa bei der Entfernung von Hautkrebs und bei manchen plastischen oder kosmetischen Behandlungen auftreten können.

Für den Kasseler Chefarzt Privatdozent Dr. med. Ernst Magnus Noah, der in seiner Klinik für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie (noahklink.de, Tel. 0561/8104940) das Verfahren  europaweit erstmalig anwendete, eröffnen sich noch weitere Anwendungsaussichten: „Bei Verfahren, bei denen die oberen Hautschichten abgetragen werden, z. B. bei der Abschleifung von Narben oder stark faltiger Haut, hilft diese neue Technik bei der Verringerung von Nebenwirkungen und Komplikationen. Wir bieten unseren Patienten durch diese Biotechnologie eine kürzere Wundheilungszeit und bessere Narbenqualität. Besonders auf dem Gebiet der Weißfleckenkrankeit reiht sich nun ein operatives Verfahren in Ergänzung zu den konservativen Verfahren ein. Ich sehe hier auch Chancen für Narben, die durch die Entfernung von Tätowierungen entstanden sind.“ 

© 2006 NATUR & HEILEN (aktualisiert 2021), Beratungsservice

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