Schwangerschaftsgestose HELLP-Syndrom

Am Ende der Schwangerschaft erkrankte ich plötzlich am HELLP-Syndrom. Die Geburt war dramatisch und ich habe die ganze Notfallmedizin mit allen drastischen Medikamenten durchgemacht, meine kleine Tochter ist aber wohlauf. Was habe ich falsch gemacht und was kann ich naturheilkundlich tun, um meinen schlechten Allgemeinzustand und die Leberwerte zu bessern?


Antwort

Sie haben gar nichts falsch gemacht, Sie können absolut nichts für diese punktuelle "Entgleisung" der Natur. Im Gegenteil – Sie sind daraus hervor gegangen mit großer Liebe für Ihre Tochter und das ist das Wesentliche, alles andere wird sich wieder einrenken, lediglich mit kleinen Narben vielleicht, aber das ist eben das Leben.

Das erst 1982 genau definierte HELLP-Syndrom ist eine seltene, aber gefährliche Variante der Spätgestosen. Unter dem Oberbegriff Gestosen – früher Schwangerschaftsvergiftung genannt – fasst man alle Krankheitszustände zusammen, die durch eine Schwangerschaft bedingt sind. Während bei den einfacheren EPH-Gestosen Bluthochdruck, Eiweiß im Urin und Ödeme bestehen, kommt es beim HELLP-Syndrom zusätzlich v. a. zur Auflösung der roten Blutkörperchen, zu niedrigen Thrombozytenwerten (Thrombozyten sind an der Blutgerinnung beteiligt) und zu Leberfunktionsstörungen. Als Ursache vermutet man eine Störung im Verhältnis von gefäßerweiternden und gefäßverengenden Prostaglandinen (körpereigene hormonähnliche Substanzen). Psychische Zusammenhänge sind unbekannt und unwahrscheinlich, der Krankheitsverlauf liefert keinerlei Hinweise darauf. Die Sterblichkeit der erkrankten Mütter liegt bei 3,5 %, die kindliche Sterblichkeit wird mit 9,5-60 % angegeben.

Es war korrekt, dass die Ärzte bei Ihnen keine vorgezogene Schnittentbindung durchführten; dabei kommt es beim HELLP-Syndrom nämlich oft zu unstillbaren tödlichen Blutungen. Deshalb musste eine frühzeitige vaginale Entbindung eingeleitet werden. Der Einsatz der Medikamente, die Ihnen dabei verabreicht wurden, war unerlässlich und vertretbar, um das Leben von Mutter und Kind nicht unnötig zu gefährden. Es wäre grob fahrlässig gewesen, bei dieser schweren Krankheit mit alternativen Heilverfahren zu experimentieren; es gibt keine Naturheilmittel als Ersatz für die verabreichten Medikamente, ein Versuch hätte tödlich ausgehen können. Eine weitere Schwangerschaft kann völlig problemlos verlaufen, aber auch erneut mit geringer Wahrscheinlichkeit (2,5 %) zum HELLP-Syndrom oder zu einer anderen Gestose führen, das lässt sich nicht voraussehen. Bei einer erneuten Schwangerschaft wäre deshalb eine engmaschige fachliche Überwachung erforderlich, damit mögliche Komplikationen so früh wie möglich erkannt und gezielt behandelt werden können. Eine Vorbeugung ist leider unmöglich, eben weil die Ursachen unbekannt sind und deshalb nicht vermieden oder vorsorglich behandelt werden können.

Ob Folgen der intensiven Therapie zurück geblieben sind, lässt sich durch labordiagnostische Untersuchung der Leberfunktionen relativ einfach prüfen. Es ist aber unabhängig davon nützlich, die Leber nach dieser Belastung kurmäßig 1-3 Monate lang mit Mariendistel (in der Apotheke gibt es mehrere geeignete Medikamente) zu stärken, das kommt auch dem Allgemeinbefinden zu Gute. Auch abendliche warme Rizinus-Leberwickel entgiften und stärken die Leber.

Die Antibiotika hinterließen wahrscheinlich eine Störung der Darmflora. In einfachen Fällen kann diese durch probiotische Milchprodukte und/oder Milchzucker oder milchsaure Getränke (Kanne Brottrunk, Vitabiosa) bzw. das Enzymgetränk "Rechtsregulat", die längere Zeit angewandt werden müssen, wieder "aufgeforstet" werden. Liegen stärkere Schädigungen der Darmflora vor, genügt das allein nicht. Dann sind Arzneimittel wie Symbioflor erforderlich, die aber nicht zur Selbsthilfe verwendet werden dürfen. Auch die Enderlein-Therapie mit Präparaten von Sanum-Kehlbeck ist hier sehr wertvoll.

Die Ursachen der Sehstörung müssen durch baldige fachärztliche Untersuchung abgeklärt und gezielt behandelt werden. Ein Zusammenhang mit den Leberfunktionen ist nicht unbedingt zwingend, aber kann natürlich sein. Ob die Augenringe sich aus Schlafmangel und Erschöpfung durch den vehementen Krankheitsverlauf – vielleicht auch durch die Versorgung der Tochter – erklären, können wir nicht beurteilen. Als krankhafte Ursachen kämen insbesondere Nierenschäden oder die nach einer Schwangerschaft häufige Blutarmut in Betracht. Auch das lässt sich durch einfache Labordiagnose klären und bei Bedarf gezielt behandeln.

Am besten wäre es, wenn Sie in Ihrer Nähe einen Naturmediziner oder Heilpraktiker finden, mit dem zusammen Sie alle Bereiche durchgehen können und dann Schicht für Schicht den Körper wieder aufbauen. Ihrer kleinen Tochter kann durch klassische Homöopathie wahrscheinlich am besten geholfen werden, denn so werden auch seelische Schocks langsam aufgelöst, die eine allgemeine Entwicklungsverzögerung verursachen können. Weitere Informationen zum Hellp-Syndrom erhalten Sie im Internet: www.gestose-frauen.de.

© 2005 NATUR & HEILEN, Beratungsservice.

» zurück