
Es sind nicht immer Schicksalsschläge oder schmerzhafte Erlebnisse, die uns voller Bitternis zur inneren Lähmung und Resignation führen. Es ist ganz gewiss nicht das Leben selbst, das uns im eigentlichen Sinne mürbe oder kaputt macht. Nein, das kann uns eher reifer und erfahrener machen. Es ist nicht das Leben selbst, sondern das nicht gelebte Leben, das immer wieder aufgeschobene und verhinderte Leben, das in uns das nagende Gefühl erzeugt, am eigenen Leben vorbeizuleben.
Die Einsicht, dass wir uns selbst um die Chance gebracht haben, das Leben, das wir hätten leben können, zu führen, ist sehr schmerzlich und macht tief unglücklich. Einige unserer Lebensträume können zu früh durch das Sieb fallen, weil wir vorschnell aufgeben. „Vieles geht in der Welt verloren, weil man es zu schnell verloren gibt“, erkannte bereits Johann Wolfgang von Goethe.[…]

