Alles, was sie noch besaßen, passte in einen Rucksack. Nachdem sie alles verloren hatten – ihr Haus, ihr gesamtes Geld – brachen Raynor Winn und ihr Mann Moth auf, um den South West Coast Path, Englands berühmten Küstenweg, zu wandern – mit nur einem kleinen Zelt als Zuhause und ein paar Kleidern.
Doch anstatt zu verzweifeln, begegneten sie mit jedem Schritt dem Leben. Auf ihrem rund 1.000 km langen Weg nahmen sie die heilende Wirkung der Natur in sich auf, durch die sie schließlich zurück zum Leben fanden. Sie entdeckten die verwandelnde Kraft der Einfachheit und erkannten, dass sie nicht viel brauchten, um glücklich zu sein – und dass sie ihre Würde trotz großer materieller Not behielten.
Mit jedem Schritt entwickelten sie mehr Resilienz und Durchhaltevermögen und sahen ihren Lebensweg als Lernprozess über ihre Identität und ihre Werte. Was Raynor Winn in ihrem Buch „Der Salzpfad“ erzählt, zeigt, dass sie und ihr Mann – obwohl sie ihre materielle Sicherheit verloren hatten und ihre Zukunft ungewiss war – auf ihrer großen Wanderung schließlich zu sich selbst fanden.
Gerade dann, wenn wir einen schweren emotionalen Rucksack zu tragen haben, der voll mit vergangenen bewussten und unbewussten Verletzungen und ungelösten Konflikten ist, verschafft uns das Gehen wieder mehr Abstand zu konfliktreichen Situationen und lässt unsere Probleme relativ erscheinen.
Die Bewegung und der Kontakt zur Natur aktivieren unseren Körper als Ressource und stärken unsere Selbstwirksamkeit. Mit jedem Schritt wird der emotionale Ballast leichter – und wir werden immer glücklicher. Dieses Glück ist zutiefst authentisch, denn durch den Verzicht auf äußeren Überfluss gewinnen wir inneren Reichtum.
Anne Devillard
und das Redaktionsteam von NATUR & HEILEN

