Alzheimer durch Borreliose
Eine Bekannte erzählte mir kürzlich, dass man von einem Zeckenbiss Alzheimer bekommen kann. Stimmt das denn?
Kurt F., E-Mail
Antwort: Tatsächlich: Erstmals in den 1980er-Jahren fand der amerikanische Pathologe Dr. Alan B. MacDonald spiral- und rundförmige Erregerformen in Hirngeweben, die mit dem Lyme-Borreliose-assoziierten Bakterium übereinstimmten. 2008 präsentierte die ungarische Wissenschaftlerin Judith Miklossy Zusammenhänge zwischen Borreliose und der Produktion von Eiweißparametern, die für Morbus Alzheimer verantwortlich gemacht werden.
Schon damals belegten klinische Beobachtungen den Zusammenhang zwischen demenziellen Syndromen und Borreliose, vor allem weil die Symptomatik nach entsprechender zielgerichteter antibiotischer Therapie deutlich rückläufig wurde. Im selben Jahr publizierte der Neurologen-Kongress in Hamburg den Fall einer 78-jährigen verwirrten, vergesslichen Patientin, die kaum noch in der Lage war, ihren Haushalt zu führen. Eine Liquor-Analyse zeigte eine hohe Konzentration von Borrelien-Antikörpern. Innerhalb von drei Wochen intravenöser Therapie mit einem Antibiotikum stieg die kognitive Leistung wieder auf ein normales Niveau.
2011 veröffentlichte Michael Rainer vom Sozialmedizinischen Zentrum Ost in Wien einen weiteren Fall. Hier ging es um eine 71-jährige Lehrerin, deren demenzielles Verhalten auf eine Depression zurückgeführt wurde. Nach diagnostizierter Neuroborreliose und antibiotischer Behandlung verschwanden die Symptome innerhalb weniger Tage.
2017 berichteten die Neurologinnen Inga Zerr und Uta Heinemann über Demenz bei entzündlichen Infektionskrankheiten und benannten auch die Borreliose als Ursache. Doch leider entwickelte sich aus all diesen Fakten keine weitere Forschung. Auch die Leitlinie „Neuroborreliose“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) geht auf diese Publikationen innerhalb ihrer 272 Literaturstellen nicht ein.
Ute Fischer
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