Codex Alimentarius
Man hört immer wieder vom Codex Alimentarius, auch vermehrt Kritik. Was verbirgt sich eigentlich dahinter?
Manfred S., E-Mail
Antwort: Da der Handel mit Lebensmitteln immer globaler wird, sollte deren Sicherheit auch weltweit geregelt werden. Ein entsprechendes Regelwerk existiert bereits seit 1963 mit dem Codex Alimentarius, einer mehr als 5.000 Seiten umfassenden Sammlung von Normen für die Lebensmittelsicherheit. Sie wurde von den Vereinten Nationen, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO und der Weltgesundheitsorganisation WHO ins Leben gerufen. Seither sind dem Vertragswerk rund 160 Staaten beigetreten.
Rechtlich ist der Codex nicht bindend, doch viele Länder übernehmen seine Standards ganz oder teilweise in ihr Lebensmittelrecht. Zunächst klingt das, was der Codex Alimentarius regelt, sinnvoll: Es geht um alle Facetten der Nahrung – vom Saatgut bis zur Tiernahrung, vom Rohstoff bis zum Fertigprodukt, von der Babynahrung bis zu Nahrungsergänzungsmitteln. Es werden Grenzwerte für Vitamine, Mineralstoffe, Süßstoffe, Pestizide, Nanopartikel, Hormone, Mikroorganismen, Toxine und Schwermetalle definiert. Weiterhin geht es um Nahrungsmittelhygiene, Lebensmittelkennzeichnung etc.
Jedoch gibt es auch kritische Stimmen, die behaupten, dass der Codex längst nicht mehr dem Schutz der Verbraucher diene, sondern eher der Lebensmittelindustrie. So seien Industrielobbys eher in der Lage, mit ihren Stellungnahmen Einfluss zu nehmen, als kleine Verbraucherorganisationen. Auch kommt hier ein typisches Problem transnationaler Regelungen zum Vorschein, nämlich, dass eine Norm durch die Beteiligung vieler am Ende nur den kleinsten gemeinsamen Nenner erfassen wird. Dies betrifft etwa das Thema Gentechnik.
Kernaussage des Codex ist dabei, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel verwendet und gehandelt werden dürfen, wenn sie nach wissenschaftlichen Kriterien als sicher gelten. Kennzeichnungspflichten schreibt der Codex nicht vor.
Doch trotz aller Kritik gilt: Weder der Codex Alimentarius noch andere Regelungen können Nahrungsergänzungsmittel oder gesunde Lebensmittel verbieten. Zwar kommt es aufgrund der Macht der Lebensmittelindustrie durchaus zu irreführender Werbung und Desinformation, jedoch haben die Menschen hierzulande viele Möglichkeiten, sich aktiv für eine gesunde Ernährung zu entscheiden.
Dirk Engelhardt
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