Krankheit & Heilung

Gibt es Hilfen bei Alzheimer-Demenz?

Mein Mann leidet seit längerem an Gedächtnisschwäche. Laut Neurologen ist es beginnende Alzheimer-Demenz. Er macht nun viel Gedächtnistraining. Es gibt diverse Präparate zur Behandlung, aber was ist die richtige Therapie?
 

Antwort
Die Ursachen der Alzheimer-Demenz sind bislang nur vage geklärt. Diskutiert werden neben erblicher Veranlagung unter anderem Vergiftungen mit Metallen oder anderen schädlichen Stoffen, Autoimmunprozesse, Störungen der Neurotransmitter, Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen und Krankheitserreger. Sind diese Zusammenhänge offensichtlich, kann auch gezielt behandelt werden. Da dies aber nur selten der Fall ist, kann meist nur allgemein die Hirnfunktion unterstützt werden.
Alzheimer kann nicht im Sinne einer anhaltenden Besserung bzw. einer Heilung therapiert werden. Möglich ist lediglich, die Krankheit für eine relativ kurze Zeitspanne zu verzögern. Letztlich schreitet sie schicksalhaft unaufhaltsam fort, die Patienten tauchen immer tiefer in eine Welt ein, zu der Gesunden der Zugang versperrt bleibt. Vermutlich wird irgendwann auch Alzheimer dauerhaft zu bessern oder heilbar sein, aber davon können wir heute noch nicht profitieren.
Es gibt eine Reihe von Arzneimitteln, um den Verlauf zu verlangsamen, auf die wir hier nicht eingehen können, bitte fragen Sie Ihren Hausarzt nach entsprechenden Möglichkeiten. Diese Mittel können teilweise zu starken Nebenwirkungen führen, so dass sie dem Patienten nicht zugemutet werden können (dabei geht es ja auch um Lebensqualität). Das Präparat “Ginkobil 80-ratiopharm” wird zwar aus Ginkgo biloba hergestellt, ist als pflanzliches Heilmittel aber auch nicht frei von zum Teil erheblichen Nebenwirkungen und Risiken. Es ist zudem den speziellen Medikamenten gegen Alzheimer nicht gleichwertig, weil es in erster Linie bei Demenz in Folge von Durchblutungsstörungen des Gehirns in Betracht kommt, die ja bei Alzheimer nicht ursächlich sind.
Alternativen mit vergleichbarer Wirksamkeit sind noch nicht bekannt, allerdings gibt es erste Ansätze einer Therapie mit Wirkstoffen, die auch im Körper selbst vorkommen und die sehr nach Chemie klingen, dabei handelt es sich aber um natürliche Substanzen, hauptsächlich um Carnitin, Pregnenolon, Dehydro-Epiandrosteron (kurz: DHAE) und Dimethyl-Aminoethanol (kurz: DMAE), die zum Teil auf die gestörten biochemischen Prozesse im Gehirn einwirken.
Carnitin, oft kombiniert mit Coenzym Q10 angeboten, gibt es mittlerweile schon beim Discounter (vielleicht nicht immer in wünschenswerter Qualität). Allerdings kann Carnitin nur bei Anwendung im Frühstadium spürbar wirken. Carnitin ist auch nicht das Mittel der ersten Wahl bei Alzheimer, in klinischen Studien erzielte man die besten Ergebnisse mit den obigen drei anderen Wirkstoffen. Für diese gilt ebenfalls, dass sie möglichst im Frühstadium verabreicht werden sollten; anders als Carnitin wirken sie zwar auch im späteren Stadium noch, dann jedoch mit geringeren Erfolgsaussichten.
DHAE, DMAE und Pregnenolon stehen unter Rezeptpflicht und sind bei deutschen Medizinern oft kaum bekannt. Es kann erforderlich sein, sie zum Beispiel über eine “Internationale Apotheke” (gibt es in größeren Städten – Auskunft über die Gelben Seiten) aus den USA besorgen zu lassen, wo sie bereits gründlicher erforscht sind und ganz selbstverständlich verwendet werden. Natürlich vollbringen auch sie keine Wunder, nur für eine gewisse Zeit kann das Befinden etwas gebessert und der Krankheitsverlauf verzögert werden.
Nur für Carnitin liegen gesicherte Erkenntnisse über seine Wirksamkeit bei Alzheimer vor, bei den anderen ist keine solche spezifische Wirkung zuverlässig nachgewiesen. Sinnvoll, sicher und preiswert wäre es also, zunächst in Apotheke/Reformhaus nur Carnitin zu besorgen, allenfalls ergänzt durch Coenzym Q10, um zu versuchen, ob Alzheimer darauf anspricht. Andernfalls sollte eine Therapie mit DHAE, DMAE oder Pregnenolon versucht werden, die fachlich verordnet werden muss. Ob darüber hinaus weitere Heilverfahren angezeigt sind, kann nur individuell beurteilt werden, zu denken wäre vielleicht noch an “maßgeschneiderte” homöopathische Wirkstoffe.
Es gibt eine Reihe weiterer natürlicher Präparate und Nahrungsergänzungsmittel, die über das Internet angeboten werden. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, denn nicht selten erhält man für viel Geld nur Fälschungen oder wirkstofffreie Produkte.
Grundsätzlich ist es richtig, wenn Alzheimer-Patienten geistig noch etwas beansprucht werden und etwas zur Verbesserung der Hirnleistung unternehmen, das mag sogar ein wenig dazu beitragen, die Demenz zu verzögern. Aber dieses Training führt wahrscheinlich nicht dazu, dass sich die Hirnleistung tatsächlich dauerhaft verbessert, die Krankheit selbst verhindert diesen Trainingseffekt. Deshalb erleben Kranke (solange sie das noch bewusst empfinden können) bei ihren Bemühungen unausbleiblich immer wieder, wie die geistigen Kräfte nachlassen und sie immer stärker eingeschränkt werden… eine quälende Erfahrung. Ersparen kann man ihnen das leider nicht, sollte aber wenigstens versuchen, sie das nicht zu oft erleben zu lassen, indem das geistige Training nicht zu stark beansprucht, also nicht fordert, sondern im Rahmen des Möglichen etwas fördert.
Es hat sich bewährt, den Betroffenen einfache Aufgaben aus dem Alltag zu stellen, die ihnen schon lang vertraut sind, sei es nun Mithilfe im Haushalt, Arbeit im Garten (besonders zu empfehlen) oder das gemeinsam gesungene Lied aus Kindertagen. Das Gefühlsleben der Alzheimer-Patienten bleibt noch lange erhalten, hier bietet sich ein Ansatz zur non-verbalen Kommunikation. Es gibt Hinweise darauf, dass die Kranken das durchaus noch wahrnehmen können. Aus diesem Grund ist es auch nicht empfehlenswert, den Erkrankten zwar gut zu versorgen, im Übrigen aber nicht mehr ernsthaft Kontakt mit ihm zu suchen, ihn also lediglich nur noch zu “verwahren”.
Ob die Pflege, die unausweichlich auf die Angehörigen zukommt, auch im fortgeschrittenen Stadium noch zu Hause geleistet werden kann, lässt sich pauschal nicht beantworten. Auf längere Sicht werden die meisten Angehörigen trotz besten Willens dadurch überfordert; dann kann es für alle Beteiligten das Beste sein, den Kranken professioneller Pflege anzuvertrauen, ohne sich von ihm zurückzuziehen. Zumindest benötigt man bei häuslicher Pflege die Unterstützung der ambulanten Pflegedienste, die man sich nicht scheuen sollte, rechtzeitig zu organisieren.
Vielfältige Unterstützung erhalten Sie bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V., Tel. 030 – 259 37 95 14, Internet: www.deutsche-alzheimer.de.

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