Östrobolom und Androbolom
In Ihrer August-Ausgabe erschien ein sehr interessanter Beitrag über das Östrobolom. Mich interessiert, wie das bei den Männern aussieht. Beeinflusst das Darmmikrobiom in diesem Fall nicht auch die Rückresorption von Hormonen, z. B. Testosteron? Und falls ja, mit welchen Folgen?
Klaus R., E-Mail
Antwort: In der Tat hat das Östrobolom, also die Gesamtheit der Darmbakterien, die den Östrogenspiegel im Körper regulieren, auch bei Männern eine wichtige Funktion. Es gibt hier ähnliche Mechanismen wie bei Frauen, d. h., es gibt ebenfalls eine Östrogendominanz, die sich z. B. in einer Gynäkomastie (einer gutartigen Vergrößerung der männlichen Brustdrüsen), einer Gewichtszunahme vor allem am Bauch oder in wiederkehrender Reizbarkeit äußern kann.
So sollte bei diesen Symptomen auch an eine hormonelle Dysbalance gedacht werden. Weiterhin kann ein Überwiegen von Östrogen zu einer erektilen Dysfunktion und Libidoverlust führen – hier ist der Mechanismus vor allem dadurch zu erklären, dass ein zu hohes Östrogen beim Mann die Wirkung von Testosteron blockiert. Eine vergrößerte Prostata hängt womöglich ebenfalls mit dieser hormonellen Dysbalance zusammen.
Wenn wiederum – wie z. B. bei einer zu geringen Aktivität des Östroboloms, etwa nach einer Antibiotika-Einnahme – zu viel Östrogen ausgeschieden wird und ein Östrogenmangel entsteht, kann es auf Dauer zum Nachlassen der Knochendichte oder zu Herz-Kreislauf-Problemen etc. kommen.
Das Östrobolom ist aber tatsächlich spezifisch auf den Östrogen-Haushalt konzentriert, und hier ist dann zunächst auch der therapeutische Ansatz zu sehen. Der Testosteron-Stoffwechsel im Darm wird eigenständig seit einigen Jahren als Androbolom erforscht.
Dr. med. Isabel Bloss
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