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Frauenheilkunde

Rektusdiastase nach Schwangerschaft

Nach meiner Schwangerschaft habe ich bemerkt, dass mein Bauch nicht mehr so fest ist wie früher. Außerdem leide ich seit der Geburt unter Rückenschmerzen und Nackenverspannungen und habe oft einen aufgeblähten Bauch. Immer wieder werde ich gefragt, ob ich erneut schwanger sei – das belastet mich sehr. Woran kann das liegen?
Anja M., E-Mail

Antwort: Nach einer Schwangerschaft verändert sich der Körper auf vielfältige Weise, besonders die Bauchwand ist stark beansprucht. Viele Frauen bemerken, dass sich ihr Bauch dauerhaft weich anfühlt oder sich beim Aufrichten eine Wölbung in der Mitte zeigt. Ur­sache kann eine Bauchwanddysfunktion oder bei stärkerer Ausprägung eine Rektusdiastase sein – das Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskulatur entlang der Linea alba, eines bindegewebigen Streifens in der Bauchmitte.

Während der Schwangerschaft wird dieses Gewebe durch den wachsenden Bauch stark gedehnt. Bleibt die Lücke zwischen den Muskeln nach der Geburt breiter als etwa 2 bis 2 ½ cm, spricht man medizinisch von einer Rektusdiastase. Neben Schwangerschaften können auch starkes Übergewicht, falsches Training oder ein dauerhaft erhöhter Bauchinnendruck zu einer Spaltung führen. Männer können ebenso davon betroffen sein.

Die Folgen betreffen nicht nur das äußere Erscheinungsbild. Durch die insta­bile Bauchwand kann die tiefe Rumpfmuskulatur ihre stützende Funktion verlieren. Dadurch entstehen häufig Rückenschmerzen, Nackenverspannungen, eine schwache Körpermitte, Verdauungsprobleme oder ein vorgewölbter, „aufgeblähter“ Bauch. Auch Beckenbodenbeschwerden können damit zusammenhängen, da Bauch- und Beckenbodenmuskulatur eng zusammenarbeiten.

Die gute Nachricht: Eine Rektusdiastase lässt sich in vielen Fällen deutlich verbessern. Entscheidend ist ein gezieltes, sanftes Training der tiefen Bauchmuskulatur, insbesondere des Beckenbodens und des Musculus transversus abdominis. Diese Muskelgruppe wirkt wie ein Korsett und stabilisiert den Rumpf von innen.

Unterstützend können Atemtechniken helfen, die den Druck im Bauchraum regulieren und die ­natürliche Spannung der Bauchwand fördern.

Klassische Sit-ups, Crunches oder Übungen mit starkem Druck nach außen sollten dagegen vermieden werden, da sie die Spaltung der Muskeln verstärken können. Empfehlenswert ist, sich an einen spezialisierten Physiotherapeuten zu wenden, der in der Behandlung von Rektusdiastasen erfahren ist.

Nur in seltenen, stark ausgeprägten Fällen, wenn kon­servative Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine operative Korrektur sinnvoll sein. Meist jedoch lässt sich mit gezieltem Training und bewusster Körperhaltung viel erreichen: mehr Stabilität, ein besseres Körpergefühl und ein flacherer, funktional gesunder Bauch.

Jenny Seth, Physiotherapeutin

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