Zeckenimpfung: ja oder nein?
Mein 15-jähriger Sohn fährt in den Sommerferien in ein Zeltlager nach Tschechien. Dort ist FSME-Gebiet. Wir überlegen, ihn impfen zu lassen. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Marianne S., E-Mail
Antwort: Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch die Zeckenart Gemeiner Holzbock übertragen wird (etwa 1 bis 3 % der Zecken sind infiziert), ist mit zunehmenden Temperaturen wieder ein aktuelles Thema. Die Infektion hat eine Inkubationszeit von 3 bis 20 Tagen, sie verläuft in 70 bis 95 % der Fälle asymptomatisch. Manchmal kommt es zu grippeähnlichen Symptomen, 10 bis 30 % der betroffenen Patienten entwickeln nach einem symptomfreien Intervall eine zentralnervöse Krankheitsphase mit Meningitis oder Enzephalitis.
Die Sterblichkeit liegt in etwa bei 0,2 %, Kinder haben ein 10-fach geringeres Risiko. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 686 Fälle von symptomatisch Erkrankten übermittelt, darunter 59 % mit neurologischen Manifestationen. Drei Personen verstarben an ihrer FSME-Erkrankung, eine Person war über 80, eine über 50 Jahre alt. In mehr als 75 % der Risikogebiete erkrankten 2024 keine Kinder oder Jugendlichen an FSME.
Die Schutzwirkung der Impfung ist nicht abschließend beurteilbar, denn sie beruht auf einer sehr geringen Evidenz und wurde nicht in randomisierten kontrollierten Studien überprüft. Das empfohlene Intervall der Auffrischung alle 3 bis 5 Jahre scheint wesentlich zu enggefasst, die WHO geht von einem Schutz von mehr als 8 Jahren in mehr als 90 % der Fälle aus, die Schweiz frischt die FSME-Impfung alle 10 Jahre auf. Bei Kindern scheint die Wirksamkeit der Impfung schlechter zu sein als bei Erwachsenen – so das Ergebnis einer schwedischen Studie von 2025.
Im engen zeitlichen Zusammenhang mit der FSME-Impfung wurden immer wieder neurologische Nebenwirkungen mit teilweise bleibenden Schäden beobachtet, darunter Narkolepsie, Krampfanfälle, Myelitis/Rückenmarksentzündung, Meningitis, Enzephalitis, Augenmuskellähmungen, Verlust der Riechfähigkeit, Multiple Sklerose, Guillain-Barré-Syndrom oder Depressionen. In Gebieten mit geringem Infektionsrisiko kann die Gefährdung durch die Impfung daher sogar größer sein als durch die Infektion.
HP Eva Stiegele
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