L-Thyroxin – Überversorgung in Deutschland
L-Thyroxin gehört zu den am meisten verordneten Medikamenten in Deutschland – doch nicht immer ist diese Therapie angesagt. Der medizinische Einsatz für L-Thyroxin ist der Ersatz des Hormons bei einer Schilddrüsenunterfunktion, deren Symptome eher unspezifisch sind: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, depressive Stimmung, langsamer Puls oder die Neigung zu Verstopfung.
Der Endokrinologe Prof. Dr. Joachim Feldkamp berichtete bei einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie: „Es ist ein Trend der letzten Jahre, eine vermeintliche Schilddrüsenunterfunktion mit Hormonen zu behandeln.“
Eine Zunahme an Schilddrüsenerkrankungen sei jedoch nicht nachweisbar, dennoch sei L-Thyroxin in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren um mehr als 30 % häufiger verordnet worden.Möglicherweise würden damit Allgemeinsymptome wie Müdigkeit oder auch Übergewicht behandelt.
Sein Fazit: „Insgesamt besteht eine Überversorgung mit L-Thyroxin.“ Hashimoto thyreoiditis sei nahezu die einzige Erkrankung, die eine Schilddrüsenunterfunktion provoziere, ebenso sei eine Substitution bei Patienten mit einer Entfernung der Schilddrüse notwendig.
Jedoch auch Patienten mit Schilddrüsenknoten (Struma nodosa) hätten früher langfristig hochdosiert L-Thyroxin bekommen, berichtete der Endokrinologe. Es gebe jedoch keine wissenschaftliche Evidenz, dass dies die Bildung und Größe der Knoten beeinflusse. Nach einer Operation seien die meisten Patienten geheilt und bräuchten keine Hormonzufuhr mehr.
Feldkamp empfahl dringend, ein Absetzen zu überprüfen. Bei einer Überversorgung kann es zu innerer Unruhe, Schlaflosigkeit, Pulsbeschleunigung und Herzarrhythmien kommen.
© NATUR & HEILEN, März 2026
