Erste Hilfe bei Knieschmerzen: die Alexander-Technik
Viele Wanderer können ein Lied davon singen: Inmitten der schönsten Wanderung meldet sich plötzlich das Knie mit einem unangenehmen Ziehen. Meist werden die Zähne zusammengebissen und es wird weitergemacht – oder die Tour wird frustriert abgebrochen.
Mithilfe der Alexander-Technik, einer ganzheitlichen Methode, mit der ungünstige Gewohnheitsmuster erkannt und positiv verändern werden (siehe NATUR & HEILEN 10/2023), ist jedoch ein anderer, hilfreicher Ansatz möglich: Anstatt direkt am schmerzenden Gelenk zu arbeiten, wird der gesamte Körper neu ausgerichtet. Dies ist deswegen sinnvoll, weil das Knie meist nur der Schmerzmelder ist und nicht das eigentliche Problem.
Kommt es plötzlich zu einem Schmerz, hilft es im ersten Schritt, ihn erst einmal wahrzunehmen und zu beobachten: Verschlimmert er sich durch Anspannung oder durch Entspannung? Manche Knie brauchen Stabilität durch Muskelaktivierung, andere profitieren vom Loslassen. Als Nächstes sorgt man für Entlastung: auf eine Bank oder einen Baumstamm setzen und die Beine baumeln lassen. Dies kann bereits deutliche Erleichterung bringen. Auch sollte man einem Mitwandernden den Rucksack geben und dadurch das Gesamtgewicht verringern.
Die ungewöhnliche Vorstellung beim Gehen, man trüge einen Turnanzug, der den Körper nach oben zieht, hilft zudem, das Körpergewicht umzuverteilen – weg vom belasteten Knie.
Wichtig ist es auch, Tempo rauszunehmen und Pausen einzulegen. Beim Gehen sollte der Fokus mehr auf dem Ablösen der Ferse hinter dem Körper liegen und nicht auf dem forcierten Aufsetzen des Fußes vor dem Körper. Damit verringert sich das Geh-Tempo automatisch. Die Spannung im Fußgelenk sollte losgelassen werden, der Blick weit und offen sein. Das Aufsetzen des Fußes geschieht dann wie von selbst.
Bei anhaltenden oder starken Schmerzen sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Die Alexander-Technik ersetzt keine medizinische Behandlung, kann aber als erste Hilfe wertvolle Dienste leisten.
Maike Lent-Scheele
©NATUR & HEILEN, April 2026
