Neues Phänomen der „bröselnden Zähne“

Mein einjähriger Sohn hat auf dem Schmelz der oberen Schneidezähne gelbliche Flecken. Wegen eines Notkaiserschnitts musste ich Antibiotika nehmen. Ich habe ihn von Anfang an gestillt. Nach fünf Wochen musste ich leider nochmals Antibiotika nehmen. In dieser Zeit habe ich die Muttermilch abgepumpt und zugefüttert, er bekam starken Durchfall. Ganz aufhören wollte ich das Stillen nicht. Könnte es einen Zusammenhang zwischen den Medikamenten nach der Geburt und den Zahnschmelzdefekten geben?  

E.-M. F., E-Mail

Antwort:

Ja, die Antibiotika können zu den Mineralisationsdefekten des Zahnschmelzes bei dem Neugeborenen beigetragen haben. Dieses immer häufiger bei Kleinkindern und Kindern auftretende Phänomen der „bröselnden Zähne“ nennen Wissenschaftler Molare-Inzisive-Hypomineralisation (MIH), es tritt vor allem an Schneide- und Backenzähnen auf, etwa zehn Prozent der Schulkinder leiden laut einer Studie der Uniklinik Greifswald daran. Die Zähne werden zunehmend gelblich-braun, weich, porös und der Schmelz platzt mit der Zeit beim Kauen ab. Auch sind diese Zähne sehr kälte- und hitzeempfindlich. Teilweise brechen sie  bereits im Mutterleib geschädigt durch das Zahnfleisch durch.

Für die Entstehung gibt es viele ungesicherte Hypothesen, aber alles deutet auf ein durch viele Faktoren bedingtes Geschehen hin. So könnte eine Erkrankung der Mutter oder die Einnahme von Antibiotika während der Schwangerschaft oder der Stillzeit Einfluss auf die mangelnde Mineralisation der Zähne haben. Weitere Erklärungsversuche sind Sauerstoffmangel bei der Geburt, verschiedene Kinderkrankheiten, zu langes Stillen (und damit die vermehrte Aufnahme des Umweltgiftes Dioxin) und die in Kunststoffen enthaltene Chemikalie Bisphenol A. Leider beschränken sich die Behandlungsmöglichkeiten bislang auf das Überziehen der Zähne mit Fluoridlack, um den Schmelz gegen Karies zu schützen. Der Nerv ist in der Regel nicht geschädigt. In schweren Fällen werden die betroffenen Zähne abgeschliffen und mit dünnem Komposit überkront.

In Ihrem Fall rate ich zunächst zu einer Darmsanierung Ihres kleinen Sohnes – mit „Symbioflor 1“ und „Lactobiogen Pulver“ für Kinder. Damit kann sich das Mikrobiom der Darmflora, das eventuell durch die Medikamente angegriffen wurde (Sie haben ja zunächst voll gestillt), erholen. So wird auch die Mineralstoffaufnahme wieder in vollem Umfang gewährleistet und die fortschreitende Entmineralisierung der Zähne eventuell gestoppt. Die Frage der Fluoridierung im Kleinkindalter ist insgesamt umstritten, ich halte sie in diesem Falle aber für sinnvoll, um die Zähne zu schützen. Zusätzlich ist es ratsam, sich die Meinung eines ganzheitlich arbeitenden Zahnarztes einzuholen (Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche Zahn-Medizin e. V.: www.gzm.org)

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