Tipps & Erfahrungen

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Die Gewürznelke - Heilpflanze des Jahres 2010

Der Verein „NHV Theophrastus“ mit seinem Hauptanliegen, die traditionelle Naturheilkunde zu fördern und auf die Kostbarkeiten der Natur hinzuweisen, hat die Gewürznelke zur Heilpflanze des Jahres 2010 gekürt.
Der bis zu 15 Meter hoch werdende immergrüne Gewürznelkenbaum (Syzygium aromaticum) ist in den Nord-Molukken (Indonesien) einheimisch. Er wurde von alters her auf den Inseln Ternate, Tidore, Bacan und der Westküste Halmaheras kultiviert. Heute wird der Baum insbesondere auf Madagaskar, Sansibar und den Antillen angebaut.
In Indonesien werden allein etwa 50 Prozent der jährlichen Welternte verbraucht, hier allerdings weniger als Gewürz oder als Heilmittel, sondern vor allem geschrotet als Zusatz in Zigaretten.
In Europa sind Gewürznelken seit dem frühen Mittelalter bekannt. Auf den Handel mit Nelken und zahlreichen anderen Gewürzen hatten die Niederländer lange Zeit ein Monopol, die die Nelken hauptsächlich von der Insel Ambon verschifften. Heute noch werden Gewürznelken von den Molukken zum großen Teil in Amsterdam und Rotterdam für Europa umgeschlagen.
Der Gewürznelkenbaum braucht zum Gedeihen tropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Er gehört zur Pflanzenfamilie der Myrtengewächse (Myrtaceae) und ist gut erkennbar durch seinen typischen pyramidalen Wuchs. Seine Blätter sind lorbeerähnlich, ledrig und etwa 8 bis 12 Zentimeter lang. Sämtliche Teile des Baumes enthalten ätherische Öle. Geerntet werden allerdings fast ausschließlich die noch ungeöffneten Blütenknospen, da diese in diesem Zustand den höchsten Gehalt an Wirkstoffen enthalten. Die Nelken, auch Nägeli genannt, sind die stark duftenden und brennend scharf schmeckenden, getrockneten Blütenknospen, die sich durch eine Vielzahl erfreulicher und wirkungsvoller Heilwirkungen auszeichnen.
Der deutsche Name „Nelke“ wird aus der äußeren Form abgeleitet, denn die Nelke ähnelt einem Nagel, althochdeutsch „nagal“. Die auch bei uns heimische Blume „Nelke“ wurde wegen ihres ähnlichen Duftes nach den Gewürznelken benannt.

• Heilwirkungen:
Die aus Teilen der Pflanze gewonnenen Extrakte und das aus den Gewürznelken durch Destillation gewonnene ätherische Öl finden in der Medizin Verwendung. Die Pflanze wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und auch antibakteriell. Sie leistet vor allem in der Zahnheilkunde wertvolle Dienste, z.B. als Mundpflegemittel sowie zur Besserung von unangenehmem Mundgeruch. Man schreibt der Gewürznelke darüber hinaus appetitanregende, krampflösende, blähungstreibende, stark belebende und verdauungsfördernde Wirkungen zu. Sie soll auch eine günstige Wirkung bei Diabetes-Patienten haben sowie als Bestandteil von belebenden Präparaten zu hohen Leistungen verhelfen. Zunehmende Bedeutung erfährt die Gewürznelke als Abwehrmittel gegen Insekten. Bekannt ist der häusliche Brauch, Nelken in Apfelsinen zu stecken und diese auf Fensterbänke zur Abwehr von lästigen Insekten zu legen, denn ihr intensiver Duft vertreibt die Eindringlinge.

• Inhaltsstoffe:
Maßgeblich für Geruch, Geschmack und Wirkung von Gewürznelken sind die in ihnen enthaltenen ätherischen Öle, deren Anteil bis zu 15 Prozent ausmachen kann. Diese Öle bestehen im Wesentlichen aus 60 bis 85 Prozent Eugenol (das auch in Zimt vorkommt), etwa 15 Prozent Eugenolacetat und 5 bis 12 Prozent ß-Caryophyllen. Ein weiterer Bestandteil ist die Oleanolsäure mit etwa 2 Prozent. Das Eugenol besitzt eine betäubende Wirkung, weshalb das Kauen von Gewürznelken seit alters her als Hausmittel gegen Zahnschmerzen bekannt ist.
Vorsicht ist bei der Dosierung geboten!: Anwendungen von Präparaten aus der Gewürznelke bzw. dem Gewürznelkenöl können haut- und schleimhautreizend sein und bei Schwangerschaften u.U. (vorzeitigte) Wehen auslösen. Es darf daher nur verdünnt verwendet werden.

• Der Gebrauch in früheren Zeiten:
Der Gebrauch der Gewürznelke ist sehr alt. Im alten China verwendete man beispielsweise die Gewürznelke zum Kochen und zur Raumluftverbesserung. Natürlich kannte auch Hildegard von Bingen (1098–1179) die Gewürznelke als Heilmittel, sie nannte sie „nelchin“ und bereitete daraus zusammen mit Muskatnuss und Zimt ihre besonderen „Nervenkekse“, ein wohlschmeckendes Gebäck, das ihrem Hinweis nach „alle Bitternis von deinem Herzen nimmt, deine Nerven zur Ruhe bringt, dein Herz und die fünf Sinnesorgane öffnet, deine Stimmung heiter macht, alle schlechten Säfte reduziert, für eine gute Blutzusammensetzung sorgt und dich leistungsstark macht.“
Später verwendete man die Gewürznelke wegen ihres starken Aromas auch als Bestandteil von Pestmitteln, Ärzte trugen im Mittelalter bei Epidemien aus diesem Grund Ketten von Gewürznelken um den Hals. Ebenfalls war dem bekannten Arzt Paracelsus (1493–1541) die Gewürznelke gut bekannt. Er verordnete sie z.B. als Stärkungsmittel für die Verdauung. Nicht zuletzt verwendete Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897) mit Vorzug das Nelkenöl, da es „... gegen faule Gase und verdorbene Säfte und Stoffe im Magen helfe“.

Originalrezept: Hildegards Universal-Nervenkekse

Zutaten:
– 400 g Dinkelmehl
– 250 g Butter
– 150 g brauner Zucker
– 2 Eier
– 200 g süße gehackte Mandeln
– 20 g Zimtpulver
– 20 g Muskatpulver
– 10 g Nelkenpulver
– 1 Msp. Salz
– etwas Wasser.

Zubereitung: Aus allen Zutaten einen Teig bereiten und gut durchkneten. 2 Rollen formen, einige Stunden kalt stellen, in Scheiben schneiden und 15–20 Min. bei 180 °C backen.

• Anwendung in der Küche:
Die Gewürznelke wird in den Küchen aller Welt bevorzugt zum Würzen von Marinaden, Saucen, Wurst, Fleisch- und Fischgerichten und zur Herstellung von Lebkuchen sowie zur Verfeinerung von Süßspeisen oder herzhaften Gerichten verwendet. Sie ist ferner Bestandteil unterschiedlicher Gewürzmischungen, z.B. im indischen Curry-Pulver, und gehört unbedingt zu dem bekannten chinesischen „Fünf-Gewürze-Pulver“.
Die Qualität von Nelken kann der Verbraucher testen, indem er sie ins Wasser legt. Geht sie unter oder schwimmt mit ihrem Stiel nach unten, ist das ein Zeichen für eine gute Qualität, minderwertige oder schon sehr alte Nelken schwimmen waagerecht auf dem Wasser.

Hans Harress

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