Krankheit & Heilung

Seekrankheit: Des Kreuzfahrers Kreuz

Wie kann man dem lästigen Kreuz aller Seereisenden vorbeugen? Gibt es neben den üblichen apothekenpflichtigen Medikamenten noch weitere naturheilkundliche Arzneien, die die gefürchtete Seekrankheit lindern können?

Antwort
Kinetose – so nennt man medizinisch die Seekrankheit – gehört zu den ältesten Leiden der Menschheit: Julius Caesar wurde bei der Überquerung des Mittelmeers ebenso seekrank wie Lord Nelson, der große englische Admiral. Lawrence von Arabien litt an der Reisekrankheit, als er auf seinem Kamel durch die Wüste ritt.
Die ersten Symptome einer Kinetose sind Unlustgefühl, Schlappheit, Gähnen und vermehrter Speichelfluss. Dann reagiert der Körper mit Blässe, kaltem Schweiß und beschleunigter Atmung. Benommenheit, Kopfschmerzen, allgemeines Unbehagen und Müdigkeit kommen dazu. Sind erst einmal Übelkeit und Erbrechen aufgetreten, werden die Symptome immer schlimmer: Bei schweren Verläufen ist man unfähig zur Konzentration, wird teilnahmslos und liegt völlig darnieder.
Seekrank wird man durchaus nicht nur zu Wasser, sondern auch zu Lande und in der Luft, auf dem Karussell und manchmal sogar im Fahrstuhl. Die Kinetose entsteht durch einen Sinneskonflikt durch konkurrierende Informationen der Augen, des Gleichgewichtsorgans und der Tiefenempfindung. Ein typisches Beispiel: Wenn man auf dem Beifahrersitz des Autos liest, gelangen unterschiedliche Meldungen ans Gehirn. Das Auge signalisiert „ruhendes Bild“, das Gleichgewichtsorgan im Innenohr dagegen „bewegtes Bild“. Das Zentralnervensystem wird dadurch irritiert und es wird einem richtig übel.
Seeleute, Piloten, Balletttänzer und Eiskunstläufer können sich an die Auslöser der Reisekrankheit, an die sich unregelmäßig wiederholenden, passiven und nicht vorausberechenbaren Bewegungen gewöhnen. Andere, zur Kinetose neigende Menschen sollten versuchen, dem Übel vorzubeugen: z. B. durch ausreichenden Schlaf, Verzicht auf Alkohol, Vermeiden schwer verdaulicher Speisen und durch viel frische Luft.
Reisekrankheit kann man auch lindern, wenn man den Augen einen festen Halt gibt, z. B. indem man an Deck eines Schiffes den Horizont ins Auge fasst. Im Flugzeug liegen die ruhigsten Plätze über den Tragflächen, auf dem Schiff in der Mitte, im Bus hinter der Vorderachse, im Auto ist es der Beifahrersitz. Immer wieder eine Kleinigkeit zu essen ist besser, als ganz darauf zu verzichten. Wenn man sich flach hinlegt, empfindet man die Schaukelbewegungen weniger stark.
Wer Medikamente zur Verhütung der Reisekrankheit einnimmt, sollte dies mindestens eine Stunde vor Reiseantritt tun. Ist es bereits zu Erbrechen gekommen, so müssen die Medikamente als Zäpfchen oder Spritzen verabreicht werden, wenn sie wirken sollen. Die meisten Tabletten, Dragees und Kaugummis gegen Reisekrankheit enthalten so genannte Antihistaminika, die auch gegen Allergien eingesetzt werden.
Erfahrene Seereisende schwören allerdings auch auf das alte Hausmittel Ingwerwurzel, die man stückchenweise kauen kann. Ingwerextrakt ist auch in jeder Apotheke als Kapsel unter dem Namen „Zintona“ erhältlich.
Darüber hinaus hat sich das homöopathische Arzneimittel “Tabacum” auch als sehr wirksam bei der Vorbeugung der Seekrankheit erwiesen. Man nimmt 4 – 5 Tage vor der Abreise 1-mal täglich eine Gabe Tabacum C30. Ist die Seekrankheit bereits ausgebrochen, sollte das Mittel immer dann wiederholt werden, wenn die Übelkeit zurückkehrt.
Aber auch ein anderes homöopathisches Mittel hat sich bewährt: Cocculus. Es wird hauptsächlich bei Schwindel, Übelkeit und Abgeschlagenheit durch zu wenig Schlaf, besonders beim Fahren und Fliegen aber auch auf hoher See verabreicht. Die Dosierung erfolgt wie bei Tabacum.
Etwa ein Viertel der Bevölkerung ist erheblich anfällig für die Reisekrankheit. Bei starkem Seegang und Wind erkranken nicht selten bis zu 90 % der Passagiere. Nur Babys werden nicht reisekrank: Sie verdanken ihre Seefestigkeit der Tatsache, dass sie sich noch nicht mit den Augen im Raum orientieren.

© 2015 NATUR & HEILEN, Beratungsservice

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