Das Geheimnis der Dankbarkeit

Sie ist ein kostbares Gut, das wir uns bewusstmachen und kultivieren sollten: Dankbarkeit. Selbst dann, wenn die Dinge mal nicht so laufen, wie wir es uns eigentlich wünschen. Eigene Kraftquellen zu entdecken und versöhnlich mit den Grenzen des Machbaren zu sein – Dankbarkeit ist beides. Und noch mehr: Der Weg der Dankbarkeit weitet die eigene Sicht, ermöglicht eine tiefe Verbundenheit und führt nachhaltig zu mehr Zufriedenheit.

 Wer von uns erinnert sich nicht daran, wie wir als Kinder stets dazu angehalten wurden, uns zu bedanken – für das geschenkte Plätzchen vom Bäcker oder das achtbändige Lexikon unter dem Weihnachtsbaum. Meist erschien es uns als unangenehme Pflicht – vor allem dann, wenn das Geschenk nicht unseren lang gehegten Wünschen entsprach. Denn Dankbarkeit zeigen zu müssen, ohne sie zu empfinden, kam uns lästig und falsch vor. Vielleicht liegt hier auch eine Ursache für das große Missverständnis mit der Dankbarkeit in unserer Zeit. Darüber hinaus war lange Zeit der Wunsch nach Optimierung – danach, immer mehr zu wollen – der vorherrschende Gedanke und gehörte bei vielen zur Lebenseinstellung. Doch allmählich setzt ein Umdenken ein. Es wird uns bewusst: Dankbar zu sein hat nichts mit Pflicht zu tun, es ist vielmehr ein Grundgefühl, das uns in unruhigen Zeiten trägt und das wir ebenso wenig entbehren können wie Liebe, Mitgefühl, Wärme und Geborgenheit.

„Wir sprechen von einer Renaissance des Dankbarkeitskonzepts oder auch von einem regelrechten Dankbarkeitsboom“, sagt der Religionspsychologe und Psychotherapeut Prof. Dr. Henning Freund von der Evangelischen Hochschule Marburg. „In einer globalisierten Welt kommen wir spätestens seit 9/11 deutlich mehr mit Kriegen, Terror, humanitären und finanziellen Krisen in Berührung als früher. Die Krisen sind uns nah, das macht etwas mit uns. Oder sagen wir lieber so: Es kann zweierlei mit uns machen. Da sind zum einen Ängste, Ratlosigkeit, Verunsicherung. Es gibt aber auch die Frage: Wie geht es mir eigentlich gerade, wo die Welt um mich herum so sehr ins Ungleichgewicht zu geraten scheint? Diese Frage beantworten viele Menschen eher positiv.“

 

• Den vollständigen Beitrag können Sie im Dezemberheft 2017 lesen.

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