Eisenpräparate oft sinnlos

Unser Arzt hat meiner schwangeren Tochter Eisenpräparate verschrieben, die ihr aber scheinbar nicht bekommen, denn sie leidet seitdem unter Übelkeit und Sodbrennen. Besteht hier eventuell ein Zusammenhang?

 

Antwort

Eisenpräparate gehören zu den Standardverschreibungen der hiesigen Ärzteschaft, und sie werden auch rezeptfrei mit Millionenumsätzen verkauft. In jüngerer Zeit mehren sich jedoch Zweifel, ob diese flächendeckende Supplementierung wirklich so sinnvoll ist.

So erklärt das Bundesamt für Risikobewertung, dass sich „Hinweise für eine Eisenmangelanämie lediglich bei 0,6 % der Bundesbürger“ finden ließen. Das ist wenig, und die tatsächliche Zahl muss sogar noch geringer eingeschätzt werden, weil ja das Bundesamt betont vorsichtig von „Hinweisen“, und nicht von klar diagnostizierten Befunden spricht. Im Umkehrschluss heißt dies, dass Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, Gesichtsblässe und spröde Haare, die gerne als typische Symptome der Eisenmangelanämie gedeutet werden, in der Regel eine Ursache jenseits von Blut und Eisen haben.

Zweifel sind auch an der routinemäßigen Verschreibung für Schwangere angebracht. Denn sie verdauen das mit der Nahrung aufgenommene Eisen aufgrund hormoneller Umstellungen deutlich besser als andere Frauen, auf entsprechende Präparate reagieren sie oft wie auf ein wirkungsloses Plazebo. Zumindest, was die positiven Wirkungen angeht. Bei den Nebenwirkungen hingegen muss der Eisenkonsument mit massiven Problemen rechnen. Jeder Vierte klagt über Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Durchfall, Verstopfung oder Bauchweh. In hohen  Dosierungen blockiert Eisen außerdem die Aufnahme von Zink, weil beide Mineralien um den chemischen Eintritt zu unserem Organismus konkurrieren. Das „arznei-telegramm“ berichtet von Hautverfärbungen, Herzjagen, Schwellungen, Gliederschmerzen und anaphylaktischen Schocks durch Eiseninjektionen.

Dabei gibt schon der unter Eisentherapie auftretende dunkle, fast schwarze Stuhlgang einen deutlichen Warnhinweis darauf, dass der Körper keine zusätzlichen Mengen des Schwermetalls mehr aufnehmen und es beseitigen will. Unter bestimmten Bedingungen verordnet er sich nämlich selbst einen Eisenmangel. Dann nämlich, wenn er unter einer Entzündung oder Infektion leidet. Viele Erreger gedeihen umso besser, je mehr Eisen sie im Blut finden.

Niedrige Eisenwerte haben also oft ihren biologischen Sinn, sie sollten nicht voreilig mit Supplementen behandelt werden. Zudem lassen sie sich auch jenseits von Tabletten und Spritzen nach oben bringen. So neigt pflanzliches Eisen dazu, sich mit dem Phytin aus Müsli und Haferflocken sowie dem Oxalat aus Bohnen, Mangold, Rhabarber, Roter Bete und Spinat zu unverdaulichen Komplexen zu verbinden. Werden nun diese Speisen lange eingeweicht oder gekocht, verlieren sie einen großen Teil ihrer Problemstoffe. Günstig ist es auch, grünen statt schwarzen Tee zu trinken, weil sich die Gerbsäuren der unfermentierten Teeblätter weniger mit Eisenmolekülen verbinden.

Schließlich sollte man auf Puddingpulver, vorgefertigte Brotaufstriche, Instantsuppen, Milchspeiseeis und fettreduzierte, aber trotzdem sahnige Desserts verzichten. Denn darin finden sich oft „Cremigmacher“ wie Alginat oder Guarkern- und Johannisbrotkernmehl, die Eisen an sich ketten und unverdaulich machen. Die Schmerzmittel ASS (Azetylsalizylsäure) und Indometacin sowie Antazida zur Magensäurepufferung führen zu Eisenverlusten, sollten daher nicht zu lange eingenommen werden.

Eine Anämie lässt sich zwar rasch anhand des Hämoglobin-Wertes im Blut feststellen, doch das allein rechtfertigt noch nicht die Anwendung von Eisenpräparaten. Zeigt sich nämlich gleichzeitig ein erhöhter Serumferritin-Wert (er ist Maßzahl für das Eisendepot), kann es sein, dass der Körper aufgrund eines Infekts oder einer Entzündung das Mineral „geparkt“ hat. In diesem Falle sind Eisenpräparate überflüssig.  Sie kommen nur dann in Frage, wenn neben dem Hämoglobin- auch der Serumferritinwert erniedrigt ist und sich unter dem Mikroskop Anulozyten (rote Blutkörperchen in Ringform) zeigen.

Dies sollte unbedingt auch bei Ihrer Tochter untersucht werden, um sicher zu gehen, ob die Beschwerden sich tatsächlich auf die Eisen-Verordnung gründen. Wichtiger als Eisenpräparate ist zudem, das das angebotene Eisen aus der Nahrung auch tatsächlich vom Darm resorbiert werden kann. Hierzu ist eine intakte Darmschleimhaut notwendig, die u. a. durch milchsaure Produkte wie Molke, Brottrunk, Sauerkrautsaft oder Joghurt reguliert wird. Eisenreiche Nahrungsmittel sind alle roten Speisen (Säfte) wie rote Beeren oder Rote Bete (Konzentrat von der Fa. Schoenenberger). Auch das Schüßlersalz „Ferrum phosphoricum D12“ (Nr. 3) oder das homöopathische Mittel „Ferrum metallicum“ in niedriger D-Potenz leisten gute Dienste. So können bei tatsächlichem Eisenmangel die unangenehmen Nebenwirkungen von herkömmlichen Eisenpräparaten ausgeschlossen werden.

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