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Editorial Juni 2024

Schwarz-Weiß-Porträt einer älteren Frau mit langen Haaren, die sanft lächelt und ihre Hand an die Stirn hält. Sie trägt einen Strickpullover und blickt in die Kamera. Vor einem unscharfen Außenhintergrund strahlt sie eine ruhige Reflexion über den Sinn des Lebens aus.

Älter werden und dabei „jung“ bleiben – das ist ein Wunsch, der von immer mehr Menschen gehegt wird. Nachdem ein regelrechter Hype um das Thema der Langlebigkeit – auf Englisch Longevity – aus den USA nach Europa geschwappt ist, ist das gesunde Altern zum Gegenstand eines ganzen Forschungszweigs geworden, und die moderne Medizin befasst sich zunehmend mit den scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten der körperlichen Selbstoptimierung.

Der heutige Trend, alles zu unternehmen, um den Alterungsprozess zu verlangsamen bzw. zu stoppen oder sogar umzukehren, drückt die negative Bewertung des Alterns in der westlichen Kultur aus. Altern wird häufig mit körperlichen Gebrechen, geistigem Verfall und dem Dahinsiechen in Pflegeheimen assoziiert. Nichts wird unterlassen, um das Älterwerden zu verhindern. Man träumt von ewiger Jugend und versucht, den Tod zu überlisten, indem man in die zellulären Wirkmechanismen eingreift, Zellen umprogrammiert und die Telomere, wichtige Indikatoren für das biologische Alter, verlängert, sodass man gar nicht erst altern muss.

Dabei wird oft vergessen, dass das Ringen um körperliche Gesundheit und Langlebigkeit sinnlos bleibt, wenn die seelische Gesundheit vernachlässigt wird. Das Leben verlängern zu wollen, koste es, was es wolle, ist dem Prinzip des Lebens diametral entgegengesetzt, denn man kann es nicht vollkommen kontrollieren – auch nicht mit einer optimalen Ernährung, ausgeklügelten Medizin und ausgefeilten Hightech-Methoden. Es wird immer wieder Ereignisse geben, die unvorhersehbar sind.

Für den 2020 verstorbenen Benediktinermönch und Zen-Meister Willigis Jäger stellt das Alter den dritten Lebensabschnitt dar, in dem wir die Chance bekommen, zur vollkommenen geistigen und spirituellen Reife zu gelangen. In seinem Buch „Das Leben endet nie“ spricht er von einer zweiten Geburt. „Vollende deine Geburt!“, ruft er aus. Dass unsere Eltern uns geboren haben, war nur der Anfang.

Die zweite Geburt ist die Geburt zur vollen Entfaltung aller Fähigkeiten, die uns mitgegeben worden sind, die aber im Laufe des Lebens oftmals brachliegen – gerade die bedeuten aber ein intensiveres Leben. Nicht nach der ewigen Jugendlichkeit zu streben, ist die Aufgabe unseres Lebens, sondern unser tiefstes Wesen in seiner vollen Reife und Vollendung zum Ausdruck zu bringen.

Anne Devillard,
und das Redaktionsteam von NATUR & HEILEN

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