Pflanzenheilkunde

Angstlösende Heilpflanzen

Mit der dunkleren Jahreszeit werde ich jedes Jahr von Depressions- und Angstzuständen heimgesucht. Synthetisch hergestellte Arzneimittel gegen die Angst möchte ich wegen ihrer erheblichen Nebenwirkungen nicht nehmen. Es soll altbewährte Heilpflanzen geben, die eine sehr effiziente Wirkung bei Angstzuständen haben. Welche sind Ihrer Erfahrung nach zu empfehlen?

Antwort
Ängste gehören zu den großen Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Jährlich werden 50 Millionen Packungen an Beruhigungsmitteln verordnet, ein Großteil wegen Angststörungen, an denen laut Schätzungen fast jeder zehnte Bundesbürger leiden soll. Patienten und Ärzte wissen jedoch zunehmend um das Risiko der pharmazeutischen Angstlöser, weswegen sich ihr Blick immer mehr auf pflanzliche Alternativen richtet. Mittlerweile versuchen über 40 % der Angstpatienten, ihr Problem mit einem alternativen Heilverfahren in den Griff zu bekommen, die meisten von ihnen setzen dabei auf Pflanzenpräparate.
Mittlerweile liegen zu einigen der traditionellen pflanzlichen Angstlöser auch wissenschaftliche Daten vor. Besonders gut dokumentiert ist Johanniskraut, wobei jedoch zu sagen ist, dass die Hauptindikation der Pflanze eigentlich die Depressionen sind. Weswegen denn auch die Chancen von Johanniskraut wohl am größten sind, wenn die Ängste im Zusammenhang mit depressiven Verstimmungen auftauchen.
„Branchenprimus“ unter den angstlösenden Pflanzen ist sicherlich der Baldrian, weil er nicht nur über die Apotheken, sondern auch über Drogerien und Supermärkte vertrieben wird. Über seinen Wirkmechanismus wird immer noch spekuliert, der Pflanze ist es irgendwie gelungen, etwas von ihrer ursprünglichen Mystik zu bewahren. Doch auch wenn man nicht weiß, wie sie wirkt – dass sie wirkt, erscheint ziemlich sicher. In einer Studie zeigte sie sich sogar ähnlich wirksam wie das bekannte Arzneimittel Diazepam, ohne freilich dessen Nebenwirkungen zu haben. Die beruhigende Wirkung ist auf das darin enthaltene ätherische Öl und auf so genannte Valepotriate zurückzuführen. Valepotriate gehen allerdings im traditionellen Teeaufguss in großem Umfang verloren, deshalb sind sie in Baldriantee oder Baldriantinktur nicht enthalten, wohl aber verschiedene Abbauprodukte (sog. Baldrinale), Man nimmt also an, dass die sedierende Wirkung valepotriatfreier Baldriantinktur oder von Baldrian-Teezubereitungen auf dem Zusammenwirken ätherischer Öle und deren Abbauprodukte beruht. Die Unklarheit zu den Wirkmechanismen von Baldrian lässt offen, wie er am besten zubereitet werden sollte. Gute Erfahrungen sind jedenfalls mit dem guten, alten Baldriantee gemacht worden: 1 gehäuften Teelöffel mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen, zugedeckt ziehen lassen, nach 10 Minuten abseihen. Bei Herzängsten hat sich eine Mischung aus Baldrian und Weißdorn (zu gleichen Teilen)  bewährt.
Ähnlich wie Baldrian verfügt auch die Passionsblume über eine lange Tradition im Kampf gegen die Angst. In einer iranischen Studie zeigte sie sich ähnlich wirksam wie Oxazepam, wobei die phytotherapeutisch behandelten Patienten über deutlich weniger Nebenwirkungen berichteten. Ihre Hauptwirkstoffe sind wasserlöslich, so dass auch ein Tee helfen kann. Seine Zubereitung erfolgt wie bei Baldrian, mit dem man übrigens die Passionsblume gut kombinieren kann..
Die meisten wissenschaftlichen Daten zu angstlösenden Effekten existieren zu Kava-Kava. Der Pflanze gelang es sogar, ihre angstlösenden Effekte in mehreren Studien zu wiederholen, die unabhängig voneinander durchgeführt wurden. Der „Rauschpfeffer“ hatte jedoch ein Imageproblem. Im Juni 2002 zog ihn das „Bundestinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ vom Markt, weil er angeblich in einigen Fällen zu Leberschäden geführt hätte. Tatsache ist, dass sich eigentlich nur aus den wenigsten Fallbeschreibungen ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Leberschaden und Pflanze ableiten ließ. Insgesamt ist das Risiko für Leberschäden durch Kava-Kava 200-mal niedriger als bei den gegen Angst und Spannungszustände eingesetzten Benzodiazepinen, die darüber hinaus noch süchtig machen können. Nichtsdestoweniger werden hierzulande Jahr für Jahr fast 14 Millionen Benzodiazepin-Rezepte ausgestellt.
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