Mensch, Natur & Umwelt

Ohrenschmerzen beim Telefonieren

Seit längerer Zeit habe ich Ohrenschmerzen beim Telefonieren, ich muss beruflich häufig kurze Telefongespräche führen. Auch Sinfoniekonzerte sind nicht immer ein Genuss, denn manche Töne bereiten mir starkes Unbehagen. Auch bemerke ich immer häufiger ein zwar leises, aber dennoch störendes Ohrenpfeifen, vor allem am Abend. Zwei HNO-Ärzte wissen keinen Rat.

Antwort
Ihren Schilderungen nach zu urteilen handelt es sich wahrscheinlich um eine beruflich bedingte Stresssymptomatik der Innenohrorgane, die sich durch permanente tägliche Überforderung nicht ausreichend regenerieren können. Zum Verständnis hier ein kleiner Exkurs über den Hörvorgang: Schallwellen gelangen von außen über den Gehörgang zum Mittelohr, werden dort über die Gehörknöchelchen als mechanische Energie zum Innenohr weitergeleitet, das wiederum die mechanische Energie in Nervenimpulse umwandelt, die ins Gehirn weitergeleitet und dort als Ton wahrgenommen werden. Das Innenohr ist ein Gangsystem, zu dem die Schnecke (Cochlea) als Hörorgan und die drei Bogengänge als Gleichgewichtsorgan gehören. Die Cochlea enthält eine zähe Flüssigkeit und das Corti-Organ, zu dem Tausende von winzigen Zellen mit kleinen haarähnlichen Fortsätzen zählen, die in die Flüssigkeit hineinreichen. Die mechanischen Schwingungen des Mittelohrs versetzen diese Flüssigkeit und die haarähnlichen Fortsätze in Schwingungen. Die verschiedenen Haarzellen reagieren auf unterschiedliche Schallfrequenzen und wandeln sie in Nervenimpulse um. Trotz der Schutzfunktion des akustischen Reflexes können extrem laute oder permanente Geräusche die Haarzellen schädigen. Eine zerstörte Haarzelle wächst nicht nach, andauernder Lärm oder Geräusche in bestimmter Frequenz schädigen die Haarzellen also nachhaltig.
Durch häufiges Telefonieren, laute oder frequenzhohe Musik, Lärm, aber auch durch Stress, Überforderung und zu wenig Bewegung reagieren demnach die winzigen Haarzellen der Hörschnecke irritiert und reagieren zunächst überreizt, so dass die Nervenimpulse ins Gehirn verändert werden. Später degenerieren die Haarzellen immer mehr. Erfolgt keine Ruhepause für das Innenohr, entwickelt es entsprechende Überforderungssymptome wie Schmerz bei bestimmten, meist hohen Frequenzen, Pfeiftöne oder andere Ohrgeräusche, Hörfehler bis hin zur Schwerhörigkeit.
Wichtig ist also vor allem, durch Umstrukturierung des Alltags für ausreichende Entspannung und Entschleunigung zu sorgen, damit das Innenohr zur Ruhe kommt und „Funkstille“ hat. Auch sollte das Gehör neben den täglichen technischen, künstlichen Geräuschen, die beim ständigen Telefonieren aber auch bei vielen anderen Arbeitstätigkeiten unumgänglich sind, die Gelegenheit bekommen, auf natürliche Geräusche wie Vogelgesang, Bienengesumm, rauschende Winde, tropfende Blätter, Meeresrauschen, Hundegebell, Gehgeräusche etc. zu horchen. Auf ausgedehnten Spaziergängen bei Wind und Wetter lässt sich dies überall bewerkstelligen.
Aber auch die (Hals-)Wirbelsäule kann durch falsche Haltung eine entsprechende Symptomatik hervorrufen und braucht regelmäßige Dehnung und Entspannung, damit die Innenohrorgane gut durchblutet werden. Vielleicht sollten Sie Ihre Haltung während des Telefonierens überprüfen und entsprechend ändern. Unterstützung zur Regulierung bekommen Sie z. B. durch die Feldenkrais-Therapie, die Sie anschließend selbständig zuhause ausüben können; oder durch Osteopathie oder durch die Bowen-Therapie, auch die Alexander-Technik ist dazu geeignet. Alle vier Methoden regulieren ganzheitlich die Körperabläufe und sorgen für Tiefenentspannung. Bitte informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse oder im Branchenbuch oder auf folgenden Internetseiten, dort finden Sie auch Therapeutenlisten in Ihrer Nähe:
www.osteopathie.de (Tel. 0611/5808975-0)
www.feldenkrais.de (Tel. 089/1202125-0)
www.bowentherapie.de (Tel. 08807/947735)
www.alexander-technik.de (Tel. 0211/7886780)
Zu guter Letzt sollte noch erwähnt werden, dass eine ausreichende Versorgung mit natürlichen, also nicht synthetischen Nährstoffen sehr wichtig ist, damit der Körper mit Stress-Situationen besser fertig werden kann. So wird dann auch die Musik wieder zum Genuss!
© 2006 NATUR & HEILEN (aktualisiert 2021), Beratungsservice

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