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Der zirkadiane Rhythmus und gesunder Schlaf

Könnten Sie mir erklären, was man unter einem zirkadianen Rhythmus versteht? Ich habe immer wieder davon gehört, kann mir aber nichts Genaues darunter vorstellen.
 

Antwort
Es gibt bei jedem Menschen einen endogenen, ihm eigenen aus dem Inneren bestimmten Rhythmus, der durch äußere Gegebenheiten kaum beeinflusst wird. Unsere Körperfunktionen und unsere Wach- und Schlafphasen sind zeitlich mit dem 24-stündigen Tag-und-Nacht-Wechsel aufeinander abgestimmt, nicht dagegen mit der Uhr. Genauer betrachtet handelt es sich allerdings nicht um einen Rhythmus, der genau 24 Stunden umfasst. Die Natur kennt keine exakte Linearität. Deshalb sprechen wir auch von einem zirkadianen Rhythmus, was auf das lateinische “circa” = etwa, ungefähr und “dies” = Tag zurückgeht. Zirkadiane Rhythmik leben wir alle unbewusst jahraus, jahrein. Selbst wenn der Hell-Dunkel-Wechsel des Tages als Orientierungsmöglichkeit fehlt, kommen die Prozesse der Chronobiologie, der inneren Uhr, nicht aus dem Takt. Körpertemperatur, Herz- und Atemfrequenz, insgesamt mehr als 100 Körperfunktionen, gehorchen dieser Periodik, dem immerwährenden Zyklus. Wird dieser verschoben, wie etwa bei Langstreckenflügen, braucht die innere Rhythmik oft mehrere Tag-Nacht-Perioden, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Laufen die Rhythmen des menschlichen Organismus zeitlich mit der Umwelt aufeinander abgestimmt, befinden wir uns also im Einklang mit den kosmischen Rhythmen, ist eine wichtige Voraussetzung für das Wohlbefinden und vor allem für einen gesunden Schlaf erfüllt.

Am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie im bayerischen Erling werden regelmäßig in einem Schlafbunker Untersuchungen zum Schlafrhythmus angestellt. Die Versuchspersonen befinden sich vier Wochen in einem fensterlosen und schalldichten Raum, perfekt von der Außenwelt abgeschirmt. Während der ganzen Zeit sehen sie also keine Uhr, kein Tageslicht, spüren keine natürlichen Wetterunterschiede und hören keine Geräusche. Während der Zeit der Abgeschlossenheit sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer also ganz auf ihre innere Uhr, die endogene Rhythmik angewiesen. Schlaf- und Wachphasen werden nicht mehr von tageszeitlichen oder sozialen Faktoren bestimmt, sondern allein von dem Gefühl des Müdewerdens und dem Aufwachimpuls.

Wie verhält sich nun die innere Uhr in der Abgeschlossenheit? Auch unter diesen zeitlosen Bedingungen folgen die Körperfunktionen und die Phasen von Schlaf und Wachsein weiter der zirkadianen Rhythmik, also dem Steuerungssystem der inneren Uhr. Zumindest der REM-Schlaf-Anteil bleibt weiter von der Tageszeit abhängig. Die REM-Phasen treten vorwiegend im leichten Schlaf auf und sind die Momente, in denen wir träumen. REM heißt Rapid Eye Movement, deutet also auf schnelle Augenbewegungen hin. Diese können durch das Elektrookulogramm gemessen werden – wir sehen sie jedoch auch deutlich durch die geschlossenen Augenlider hindurch, wenn wir einen Schlafenden beobachten. Mit zunehmendem Alter nehmen die REM-Phasen beim Menschen ab. Beim Säugling machen sie 50 % der Gesamtschlafzeit aus, beim Erwachsenen nur noch 20 %. Trotz allem: Der REM-Schlaf ist beim Kleinkind wie beim Greis für die seelische Erholung verantwortlich und wird durch ein spätes Zubettgehen ungünstig beeinflusst. Die Volksweisheit, wonach der Schlaf vor Mitternacht der beste ist, hat also ihre Berechtigung. Der Mensch sollte also seiner inneren Uhr und dem Impuls der Schläfrigkeit folgen und früh ins Bett gehen.

© 2008 NATUR & HEILEN, Beratungsservice

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