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Beckenbodentraining – auch für Männer sinnvoll

Mein Arzt empfahl mir gegen eine leichte Inkontinenz das tägliche Beckenbodentraining. Gilt das nicht nur für Frauen? Was halten Sie davon? Eine Prostata-Untersuchung und weitere Laboruntersuchungen verliefen ohne Befund.

Antwort
Nur wenige wissen Bescheid, wenn vom Beckenboden die Rede ist, und selbst dann denken sie höchstens an die Rückbildungsgymnastik im Anschluss an eine Schwangerschaft. Dabei spielt er in unserem Körper eine zentrale Rolle, auch für Männer.
Der Beckenboden hat die Gestalt einer Schüssel, die aus mehreren Muskeln besteht und Bauchorgane wie Blase und Darm nach unten stabilisiert. Verliert nun diese Schüssel an Halt, sacken die Organe in die Tiefe. In der Folge kann es zu unterschiedlichen Beschwerden kommen wie Hämorrhoiden, sexuelle Unlust, Gebärmuttersenkungen – und Blasenschwäche. Etwa vier Millionen Menschen leiden hierzulande an Inkontinenz, und von denen sind immerhin 20 % Männer. Was bereits deutlich macht, dass Beckenbodentraining nicht nur für Frauen sinnvoll sein kann. Und das gilt nicht nur für Blasenschwäche. In einer Untersuchung der Universität Köln zeigte sich Beckenbodentraining als wirkungsvolle Therapie von Impotenz, wobei es ähnliche Erfolge erzielte wie Viagra.
Darüber hinaus ist der Beckenboden wichtig für den Rücken, weil er die Wirbelsäule mit der Bauchmuskulatur verbindet. Auch sorgt er dafür, dass sich die Atmung per Zwerchfell mehr nach unten ausweiten kann – und spätestens dann bekommt er eine Bedeutung für unsere Psyche.
Gründe genug also, diesen oft vernachlässigten Organkomplex zu trainieren. Doch ohne Anleitung ist das kaum möglich. Denn wir wissen meistens nicht, wie wir die willentlich beeinflussbaren Teile der Beckenbodenmuskulatur steuern können. Einerseits deshalb, weil diese Muskeln nicht über Gelenke ziehen und daher nicht ohne weiteres wahrgenommen werden können. Andererseits deshalb,  weil die tiefen Bereiche unseres Beckenareals – trotz aller angeblichen sexuellen Befreiung – immer noch schamhaft ignoriert werden. Weshalb es im Beckenbodentraining erst einmal darum geht, diesen Organkomplex wieder erfahrbar und dadurch trainierbar zu machen. Klar, dass dabei weniger passiert als in den gängigen Kraft- und Gymnastikstudios. Doch das ist kein Nachteil. Denn in Bodybuilding-Studios wird zwar schweißtreibend mit großer Anstrengung gearbeitet, doch dabei erhöht sich oft der Bauchinnendruck, so dass extreme Belastungen für den Beckenboden entstehen. Es gibt nicht wenige Frauen, die nach einer Geburt sofort ins Bodybuilding-Center gegangen sind, um wieder möglichst schnell zu ihrer ursprünglichen Figur zurückzufinden – und sich am Ende den Beckenboden ruiniert haben.
Das schonende Moment im Beckenbodentraining soll demgegenüber jedoch nicht bedeuten, dass dort „nichts passiert“. Allein die zentrale Position des Organkomplexes erfordert Trainingsübungen für Bauch-, Gesäß und Rückenmuskeln, und die gängige Vorstellung, wonach die Trainierenden überwiegend rücklings auf dem Boden lägen und dabei äußerlich kaum sichtbare Übungen vollzögen, ist ein Vorurteil. Denn der Beckenboden reagiert am besten, wenn wir sitzen.
Beckenbodentraining funktioniert freilich nur, wenn es regelmäßig über eine längere Zeit durchgeführt wird. In Zeiten der Gesundheitsreformen hat die Neigung der Ärzte zum Verschreiben und die der Krankenkassen zum Erstatten der Beckenbodentherapie allerdings stark nachgelassen. Der Patient wird sie also künftig mehr denn je aus eigener Tasche bezahlen müssen. Andererseits kann er nach einer ausführlichen Einführung viele Übungen auch im Alleingang durchführen. Kurse für das Beckenbodentraining gibt es bei speziell dafür ausgebildeten KrankengymnastInnen. 

© 2005 NATUR & HEILEN, Beratungsservice

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