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Gesundes Leben

Chlor in Schwimmbädern

Ich bin eine regelmäßige Schwimmerin und besuche dreimal wöchentlich für zwei Stunden das Schwimmbad und im Sommer das Freibad. Abgesehen von der Wirkung von viel Wasser und Chlor auf Haut und Haare interessiert mich, ob Ihnen etwas über die Wirkung des Chlors oder sonstiger Desinfektionsmittel im Wasser auf die Atemwege (Bronchien oder Lunge) bekannt ist?

Antwort
Die heute gebräuchlichen Verfahren zur Desinfektion von Wasser in öffentlichen Bädern sind neben der Chlorierung noch UV-Bestrahlung, Ozon und Aktivkohlefilter. Die drei letztgenannten sind unbedenklich, am wirksamsten soll nach Ansicht einiger Fachleute die UV-Desinfektion sein. Bei diesen Verfahren gelangt nichts ins Wasser, was der Gesundheit schaden könnte. Badebetreiber sollten deshalb ihre “absolute Sterilitäts-Philosophie” aufgeben und besser auf alternative Methoden wie Aktivkohlefilter, Ozon, UV-Bestrahlung und häufigen Wasseraustausch zurückgreifen. Vielfach wird die Verwendung von Chlor durch andere Desinfektionsmöglichkeiten deutlich reduziert, was aber aus Kostengründen meist nur mäßig erfolgt. Medienberichte über stark chlorbelastete Schwimmbäder beziehen sich in aller Regel auf Untersuchungen aus Belgien.
Am besten wird es sein, wenn Sie ein Schwimmbad in Ihrer Nähe finden können, das gänzlich auf Chlor verzichtet, da Sie sich ja häufig im Schwimmbad(wasser) aufhalten. Bitte fragen Sie in Ihrer Umgebung bei Stadt-, Ortsverwaltungen oder direkt bei den Schwimmbädern an, welche Verfahren der Desinfektion vorgenommen werden.
Chlor ist eines der reaktionsfähigsten chemischen Elemente; das macht seine desinfizierende Wirkung mit aus, ist aber auch für mögliche Nebenwirkungen verantwortlich. Zu häufiges Baden in stark gechlortem Wasser ist eindeutig gesundheitsschädlich. Die sogenannten Haloforme (organische Chlorverbindungen) sind dabei besonders unangenehm. Wenn sie durch Einatmen, Schlucken oder Hautkontakt in den Körper gelangen, können sie unter Umständen Krebs, Schäden an der Leber, am Erbgut und an Embryos verursachen.
Chlor reagiert im Badewasser mit organischen Materialien wie Schweiß, Härchen oder Schuppen. Als Nebenprodukte der chemischen Verbindung entsteht “gebundenes Chlor”. Das sind so genannte Chloramine sowie Trihalogenmethane (THM), wozu auch Chloroform gehört. Problematisch an Chloroform ist nicht, dass man es in kleinen Mengen über die Haut aufnimmt oder kleine Menge schluckt, sondern dass an der Wasseroberfläche Gas frei wird und dort verbleibt, weil es schwerer als Luft ist. Gerade beim Schwimmunterricht mit Jugendlichen, wo viel geplanscht und getobt wird, ist die Aufnahme von Chloroform über die Luft sehr hoch.
Hohe Dosen von Chloroform können in kurzer Zeit Unwohlsein und Schwindel verursachen, es kommt zu Hustenreiz und Atemnot. Die Auswirkungen geringer Mengen Chloroform sind, vor allem bei Kindern, nicht einzuschätzen. Früher wurde Chloroform als Betäubungsmittel eingesetzt, bis man seine leberschädigende Wirkung erkannte. Belgischen Studien der Universität Louvain-la-Neuve zufolge soll es bei Schulkindern zu einer Schwächung der Schutzschicht der Lungen gegenüber einer Vergleichsgruppe gekommen sein. Ein eventueller Zusammenhang mit steigenden Zahlen von Allergien und Asthma wird ebenfalls genannt.
In Deutschland existieren nicht nur die weltweit schärfsten Vorschriften für das Schwimmbeckenwasser, auch die technische Ausstattung der Bäder hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig verbessert. Die Wasseraufbereitungsanlagen, auch die Lüftungsanlagen entsprechen den neuesten technischen Standards. Sie sollten also nicht übermäßig besorgt sein, wenn Sie sich viel im Schwimmbad aufhalten; wenn Sie aber sicher gehen wollen, fragen Sie nach entsprechenden chlorfreien Schwimmbädern.
Und noch ein Hinweis: Wer sich häufiger dem Chlor aussetzt, spürt oft nach einiger Zeit keine Reizwirkungen mehr. Das erklärt sich aber nur aus der Gewöhnung, natürlich wirkt das Chlor nach wie vor schädigend.

© 2005 NATUR & HEILEN, Beratungsservice

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