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Herzschwäche durch Vitamin-D-Mangel

Vitamin D kenne ich als Mittel zur Vorbeugung der Rachitis bei Kindern, seit einiger Zeit zusammen mit Kalzium auch gegen Osteoporose. Nachdem bei mir kürzlich eine beginnende Herzschwäche festgestellt wurde, riet mir der Arzt zu einer Vitamin-D-reicheren Ernährung, ergänzt durch regelmäßige kürzere Kuren mit Vitamin-D-Präparaten. Nach seiner Meinung trägt Vitamin-D-Mangel mit zur Herzschwäche bei. Trifft das tatsächlich zu und welche Lebensmittel enthalten genügend Vitamin D?

Antwort
Die Gruppe der D-Vitamine wird heute eher den Hormonen zugeordnet, weil sie hormonartig wirken. Die wichtigsten sind Ergocalciferol (D 2) und Cholecalciferol (D 3), die aus den Vorstufen 7-Dehydrocholesterin und Ergosterin überwiegend in der Haut synthetisiert werden. Dazu ist der Einfluss von Sonnenlicht unentbehrlich.
Zu Recht gilt Vitamin D als antirachitisch; Mangel während des Wachstums verursacht Rachitis mit Erweichung und Verformung von Knochen. Wenn der Säugling ausreichend mit Vitamin D versorgt wird, leidet das Kleinkind später nur sehr selten an Rachitis. Das erklärt sich daraus, dass der Vitalstoff die Aufnahme von Kalzium und Phosphor beeinflusst, letztlich also für die Knochen- und Knorpelbildung erforderlich ist. Dabei wirken auch noch die Nieren und Nebenschilddrüsen mit. Mittlerweile wird Vitamin D zusammen mit Kalzium auch Erwachsenen zur Vorsorge und Therapie der Osteoporose verabreicht, insbesondere seit sich die lange propagierte Hormontherapie als zu wenig wirksam und unvertretbar riskant erwies.
Aktuell diskutiert wird ein Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Herzmuskelschwäche. Erste Hinweise darauf stammen aus der Universität Bonn und dem „Herzzentrum Bad Oeynhausen“. Aus der Tiermedizin war schon länger bekannt, dass eine Vitamin-D-Unterversorgung zur Herzinsuffizienz beiträgt. In einer Studie mit Herzkranken und einer Kontrollgruppe Gesunder überprüfte man nun, ob das auch für den Menschen gilt. Das Ergebnis klingt überzeugend, obwohl die Forschung noch nicht ganz abgeschlossen ist. Im Blut der Herzpatienten lag die Vitamin-D-Konzentration immer – zum Teil um bis zur Hälfte – niedriger als bei Gesunden. Überdies zeigte sich auch noch, dass die Herzschwäche desto schwerer verlief, je weniger Vitamin D nachweisbar war. Sicher ist dieser Mangelzustand nicht die alleinige Ursache der Herzinsuffizienz, aber er scheint dabei doch von einiger Bedeutung zu sein. In einer weiteren Studie muss nun noch geklärt werden, ob sich die Herzschwäche und ihre Folgen durch erhöhte Zufuhr von Vitamin D günstig beeinflussen lassen.
Zu einem beträchtlichen Teil wird Vitamin-D-Mangel häufig durch Verhaltensfehler verursacht, insbesondere zu wenig Bewegung im Freien, denn bis zu 90 % des Vitamins werden durch UVB-Strahlen in der Haut selbst erzeugt. Aber auch die Ernährung kann mit zu Mangelzuständen beitragen, wenn sie zu wenig Vitamin D enthält. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter die Vitamin-D-Synthese in der Haut abnimmt, ein altersbedingter Vorgang also, der sich nicht verhindern lässt. Bewegungsmangel, zu wenig Vitamin D in der gewohnten Kost und die nachlassende Fähigkeit zur Vitaminsynthese in der Haut sind wohl hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die meisten alten Menschen an einer mehr oder minder ausgeprägten Herzinsuffizienz leiden.
Das darf aber keinesfalls als Aufforderung zu intensiven Sonnenbädern missverstanden werden, die Risiken der übertriebenen Sonnenbäder liegen viel zu hoch. Aber das Sonnenbad oder eine künstliche UV-Bestrahlung sind auch überhaupt nicht erforderlich, um die Vitamin-D-Synthese in der Haut zu erhöhen. In der Regel genügt es schon, täglich 30 – 60 Minuten im Freien (nie in der prallen Sonne) für Bewegung zu sorgen, damit genügend Vitamin D gebildet wird. Selbst bei bedecktem Himmel oder im Schatten ist das ausreichend.
Darüber hinaus soll Vitamin D auch noch reichlicher mit der Ernährung zugeführt werden. In größeren Mengen kommt es vorwiegend in Fischen vor. So decken z. B. nur 100 g Rotbarsch schon fast den Tagesbedarf, andere Fische wie Heilbutt, Hering oder Thunfisch enthalten sogar noch weit mehr Vitamin D. Je nach Vitamin-D-Gehalt der verzehrten Fischsorte decken meist schon zwei bis drei Fischmahlzeiten in der Woche den Bedarf. Relativ reich an Vitamin D sind auch Pilze, angefangen bei Champignons über Pfifferlinge und Morcheln bis hin zu den besonders Vitamin-D-reichen Steinpilzen. Auch regelmäßige Pilzmahlzeiten tragen also ihren Teil zur Vorbeugung von Vitamin-D-Mangelzuständen bei. Alle anderen pflanzlichen und tierischen Lebensmittel enthalten nur geringere Mengen an Vitamin D.
Natürlich erscheint es am einfachsten, durch Vitamin-D-Arzneimittel den Bedarf ganz sicher zu decken. Das kann durchaus angezeigt sein, wenn eine Herzinsuffizienz beginnt oder bereits längere Zeit besteht. Da das fettlösliche Vitamin D aber im Körper gespeichert wird, kann es bei längerem Gebrauch derartiger Medikamente zur Giftwirkung des Vitamins auf den Körper kommen. Deshalb darf eine Vitamin-D-Medikation grundsätzlich nur nach fachlicher Verordnung durchgeführt werden.

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