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Ernährung

Laktose-Intoleranz: Wenn Milch durchputzt…

Nach vielen Umwegen und medizinischen Untersuchungen diagnostizierte mein Arzt bei mir eine Laktose-Intoleranz. Was ist darunter zu verstehen und was kann man dagegen tun?

Antwort
Schon jeder sechste Deutsche leidet an einer Laktose-Intoleranz. Die wenigsten ahnen, dass gar keine Infektion dahinter steckt. Sie schreiben ihre regelmäßigen Durchfälle auf das Konto von Salmonellen, Choleraerregern oder der Amöbenruhr. Dabei ist ein harmloser Stoff die Ursache, den gesunde Menschen problemlos vertragen: der Milchzucker bzw. die Laktose. Er verursacht Blähungen, Kopfschmerzen, Darmkoliken, Durchfall, Übelkeit.
Diese Form von Alltagsdurchfall, die Milchzucker-Unverträglichkeit, ist auf dem besten Wege, eine Volkskrankheit zu werden. Denn die Deutschen essen mehr Milchprodukte als je zuvor. Dies vielfach auch, ohne es überhaupt zu wissen. Denn Milchzucker steckt eben nicht nur in Milch und Käse, Sahne und Quark, sondern häufig auch in Wiener Würstchen, Backwaren, Süßigkeiten, Pommes, Süßstofftabletten und vielen Medikamenten.
Es ist also nicht ganz einfach, den Übeltäter zu meiden. Aber es ist relativ einfach, festzustellen, ob man zu den Betroffenen gehört: Man geht zum Arzt und lässt einen Laktose-Test machen. Zu diesem Zweck muss man morgens nüchtern erscheinen und erhält eine Lösung mit 50 Gramm Milchzucker zu trinken. Dann wird in zeitlichen Abständen etwas Blut entnommen bzw. der Wasserstoffanteil in der Atemluft gemessen. Beide Verfahren geben Aufschluss darüber, ob der Milchzucker in abnormaler Weise vom Körper verwertet wird.
Bei der Laktose-Intoleranz liegt ein Enzym-Defekt vor, der bei Männern wie Frauen etwa gleich häufig vorkommt. Der Organismus bildet zu wenig (oder gar kein) Enzym Laktase. Das braucht er aber, um den Zweifachzucker Laktose in seine Bestandteile Traubenzucker und Galaktose aufzuspalten.
Mit den Jahren nimmt die Enzymtätigkeit des Menschen stark ab. Bei Personen über 40 ist nur noch 10 % der Laktasetätigkeit eines Säuglings vorhanden. Fehlt das Enzym, wird der Milchzucker in tiefere Abschnitte des Darms abgeschoben, wo Bakterien ihn zersetzen – zu Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan. Diese Kleinmoleküle ziehen Wasser aus dem Organismus in den Darm: Entstehende organische Säuren aktivieren die Darmbewegung und schon ist der schönste Durchfall im Gange.
Heftige Blähungen, Schwindel und Übelkeit können sich einstellen, auch depressive Verstimmungen oder unreine Haut. Bei einem englischen Patienten kamen die Ärzte erst nach 26 Jahren des Leidens an Muskelschmerzen, Müdigkeit, Bluthochdruck und Herzrasen auf die richtige Diagnose Laktose-Intoleranz.
Wer es hat, dem hilft vor allem: den Milchzucker meiden! Das ist leichter gesagt als getan: Milchzucker sorgt bei abgepackter Wurst und Würstchen für angenehmen Biss, er verleiht Pommes und Kroketten beim Braten die verlockend braune Kruste, er verändert die Kristallstrukturen von Zucker in Süßigkeiten und bindet als Träger Süßstoff ebenso wie viele Arzneimittel. Laktose kann auch Inhaltsstoff sein in Margarine und Butter, Salatdressings, Nuss-Nougat-Creme, Torten und Kuchen, Knödeln aus der Packung, Hamburgern, Ketchup und Mayonnaise, Soßenbindern und Streuwürze, Schokoriegeln und Bouillon, Kartoffelpüree und Gewürzmischungen. Deshalb heißt es für Betroffene, beim Einkaufen aufzupassen.
Unbedenklich sind: Obst, Gemüse, Fruchtsäfte, Kaffee, Tee, Reis, Nudeln, Kartoffeln, Sojamilch, Frischfleisch, frischer Fisch und Geflügel, Eier, Honig, Hülsenfrüchte, Getreide, Gemüsesaft, Salz und Nüsse. Zwei Milchprodukte werden übrigens von Laktose-Patienten meist gut vertragen: Joghurt und Kefir. Die darin enthaltenen Laktobazillen ersetzen sozusagen die Laktase und helfen den Milchzucker im Darm abzubauen.

© 2015 NATUR & HEILEN, Beratungsservice

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