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Ernährung

Oft unterschätzt: Wechselwirkungen von Medikamenten und Nahrungsmitteln

Ich habe gehört, dass man auf alle Kohlsorten verzichten sollte, die reich an Vitamin K sind, wenn man Gerinnungshemmer einnimmt. Ich bin infarktgefährdet und so hätte ich gern gewusst, was an dieser Theorie dran ist.

Antwort
Dass man Medikamente nicht mit Bier oder Wein herunterspülen sollte, weiß wohl jeder. Doch auch eigentlich harmlose Nahrungsmittel wie Thunfisch, Fruchtsaft oder Milch können die Wirkung von bestimmten Arzneien beeinflussen. Laut „Bundesverband der deutschen Apothekerverbände“ können über 250 Arzneistoffe durch Nahrung beeinflusst werden, und das wirkt sich bei deren Mehrfach-Verteilung auf dem deutschen Pharma-Markt möglicherweise auf 5000 Medikamente aus.
So reichen schon 40 Milligramm Kalzium – das entspricht 35 Milliliter Milch –, um die Verfügbarkeit der antibiotischen Tetrazykline zu halbieren. Und Milchprodukte können sogar bei Osteoporose ein Problem sein, wo ja Ärzte ansonsten die Einnahme von kalziumreichen Nahrungsmitteln empfehlen. Denn Biphosphonate, die zu den Standardmedikamenten bei Knochenschwund gehören, werden durch Kalzium und auch durch Magnesium so massiv beeinträchtigt, dass Pharmakologen empfehlen, die Milchwaren und das Medikament nur in weitem zeitlichen Abstand (von mindestens 60 Minuten) voneinander einzunehmen.
Dafür zeigt die „Rosenkohl-Front“ Entwarnungstendenzen. Vor einigen Jahren glaubten Pharmakologen noch, dass infarktgefährdete Patienten, die mit Gerinnungshemmern wie etwa Marcumar  behandelt werden, ihren Verzehr an Kohl, Blattgemüse und anderen Vitamin-K-haltigen Nahrungsmitteln herunterschrauben müssten. Weil das Vitamin als Gerinnungsförderer gilt und damit als Gegenspieler zu den Arzneimitteln. Mittlerweile geht man jedoch davon aus, dass über die Alltagskost keine riskanten Vitamin-K-Werte zu erreichen sind.
Problematischer ist da schon der Grapefruit-Saft. Die amerikanische „Gesellschaft für Chemie“ fand allein 13 unterschiedliche Medikamentengruppen, die in ihrer Wirkung verstärkt werden, wenn man sie zusammen mit einem Glas Grapefruitsaft herunterschluckt, unter ihnen nifedipinhaltige Bluthochdruckmittel, Antihistaminika gegen Allergien, Schlafmittel und Immunsupressiva gegen Organabstoßungen. Verantwortlich für diesen  Effekt sind wahrscheinlich die Flavonoide der Grapefruit, und es bedeutet natürlich, dass die Einnahme der betreffenden Medikamente zusammen mit Grapefruit-Saft zu Überdosierungen führen kann.
Ähnliche Probleme kann es beim Verzehr von Nahrungsmitteln geben, die mit Mineralien oder Vitaminen angereichert wurden. Denn die Anreicherung erreicht oftmals pharmazeutische Größenordnungen, in denen die zugesetzten Stoffe die Wirkung von Arzneimitteln verstärken oder beeinträchtigen können. So zeigte sich in einer Studie der „Weight-Patterson Air Force Basis“ im amerikanischen Ohio, dass der Verzehr von vitaminisierten Nahrungsergänzungen die Wirkung einer Impfung deutlich abschwächt. Auch Extra-Portionen an Pyridoxin (Vitamin B6) können bestimmte Parkinson-Medikamente wirkungslos machen, während  Vitamin-E-Zusätze die Wirkungen von Arzneimitteln verstärken und damit z. B. auch das Nebenwirkungsrisiko des Anti-Pilz-Mittels Griseofulvin. Wissenschaftler warnen deshalb davor, mit der Einnahme von Multivitamintabletten aber auch mit dem Verzehr von vitaminisierten Säften, Joghurts und anderen Nahrungsmitteln allzu sorglos umzugehen, wenn gleichzeitig Medikamente eingenommen werden.

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