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Untergewicht: viele mögliche Ursachen

Ich bin ein aktiver junger Mensch und habe in 2 Jahren 25 Kilo abgenommen, nachdem ich meine Ernährung umgestellt habe. Könnten es Parasiten sein oder wie kann ich die Fettverbrennung verlangsamen und den Muskelaufbau ermöglichen?
 

Antwort:
Übergewicht und Adipositas stoßen in den letzten Jahren auf besonderes Interesse in der Öffentlichkeit. Untergewicht wird hingegen kaum beachtet und ist dennoch ein Problem, unter dem Betroffene oft sehr leiden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Insitutes etwa 1,5 Prozent der Frauen und 0,8 Prozent der Männer untergewichtig. Am häufigsten betroffen ist die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen.

Bevor auf die Ursachen der Untergewichtigkeit eingegangen werden soll, muss zunächst einmal geklärt werden, ob tatsächlich ein zu niedriges Gewicht vorliegt. Diese Berechnung erfolgt anhand des sogenannter Body-Mass-Index (BMI), bei dem das Körpergewicht durch die Körpergröße in m² geteilt wird, die Einheit ist demnach kg/m². Erwachsene Frauen gelten als untergewichtig, wenn der BMI unter 19 liegt, bei Männern spricht man ab einem BMI unter 20 von Untergewicht. In Ihrem Fall liegt der BMI also nach Ihren Angaben bei 18,6, er ist demnach als zu niedrig einzustufen.

Ein niedriger BMI bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Gesundheit gefährdet ist oder ein Mangel an Nährstoffen vorliegt. Dennoch sollten wichtige Erkrankungen, die zu Untergewicht führen können, ausgeschlossen werden, bevor z.B. Ernährungsempfehlungen gegeben werden. Zunächst ist also eine umfassende Labordiagnostik durch den Hausarzt oder ein entsprechendes Laboratorium ratsam. Dabei sollte vor allem Wert auf die Untersuchung der Schilddrüse gelegt werden, der Screening-Parameter ist hier das sogenannte TSH (Thyroidea stimulierendes Hormon), das anzeigt, ob eine Schilddrüsenüberfunktion vorliegt, die nicht selten zu Untergewicht führt. Gegebenenfalls kann es weiterführend auch sinnvoll sein, einen Facharzt für Endokrinologie hinzuzuziehen, der mögliche hormonelle Ursachen für ein niedriges Gewicht ausfindig machen kann.

Weitere Gründe für das niedrige Körpergewicht können chronische Darmerkrankungen wie z.B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sein, hier kommen meistens noch Durchfälle, Schwächegefühl und eine gewisse Infektanfälligkeit hinzu. Auch parasitäre Erkrankungen können ursächlich sein, dies lässt sich durch eine Stuhlprobe klären. Zu denken ist hierbei auch an gewisse “Mitbrinsel” von Fernreisen, die schon länger zurückliegen können. Es müssen durch Parasiten nicht unbedingt starke Beschwerden vorliegen, teilweise schafft das Immunsystem es über lange Zeit sehr gut, eine solche Belastung in Schach zu halten. Nur ist dies eine mögliche Ursache für Ihre Auszehrung.

Gelegentlich sind auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie z.B. eine Laktose- oder Fruktoseintoleranz für das Untergewicht verantwortlich, die zu einer stetigen Minderverwertung der Nahrung und damit auch zur Gewichtsabnahme führen können. Auch hier hilft zunächst der Haus-, dann aber auch der Facharzt für Gastroenterologie weiter.

In seltenen Fällen kann eine Tumorerkrankung oder auch eine HIV-Infektion für die Gewichtsabnahme verantwortlich sein. In jedem Fall sollten Sie sich einem Mediziner anvertrauen, um ernsthafte Ursachen auszuschließen.

Manchmal steckt hinter dem Untergewicht auch eine seelische Erkrankung wie z.B. eine Essstörung (Anorexia nervosa oder Bulimie) oder eine Depression. Auch Dauerstress, der meistens mit einem erhöhten Cortisolspiegel (ein Stresshormon) einhergeht, kann dazu führen, dass Betroffene nicht mehr richtig zunehmen.

Die Folgen von starkem Untergewicht sind teilweise sehr unangenehm und langfristig auch gefährlich. Kurzfristig sind Betroffene oft geschwächt, weniger leistungsfähig und leiden häufiger unter Infekten oder Entzündungen. Langfristig kann ein zu niedriges Körpergewicht zur Knochenbrüchigkeit (Osteoporose) führen und auch zu einer verminderten Lebenserwartung. Daher ist die ärztliche Abklärung sehr wichtig. Wurden jedoch medizinische Ursachen für das geringe Körpergewicht ausgeschlossen, gelten auch für Untergewichtige die Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung: Möglichst täglich Getreideprodukte, Obst und Gemüse sowie ausreichend Milchprodukte, ergänzt durch Eier, Fisch und Fleisch. Da Sie Vegetarier sind, empfiehlt sich die professionelle Beratung und Betreuung durch eine/n DiätassistentIn, um den für Sie individuell geeigneten Ernährungsplan zu erarbeiten. Wichtig ist die ausreichende Aufnahme von Eiweißbausteinen. Adressen und Kontakte vermitteln die örtlichen Krankenkassen.

Für eine Gewichtszunahme ist ferner eine energiereiche Kost hilfreich mit einem Energiegehalt, der etwa 30-50 Prozent über dem jeweiligen Bedarf liegt. Zur Steigerung der Energiezufuhr empfiehlt es sich, fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag einzuplanen, also drei Hauptmahlzeiten und zwei bis drei Zwischenmahlzeiten. Als Mahlzeiten für zwischendurch eignen sich z.B. Trockenobst, Sahnequark oder vollfettes Joghurt mit Obst. Mittags sollten neben einem Hauptgericht auch eine kleine Vorspeise und ein Dessert auf dem Speiseplan stehen. Vor dem Zubettgehen kann noch eine leicht verdauliche Spätmahlzeit, z.B. ein Milchshake mit Banane, sinnvoll sein.

© 2010 NATUR & HEILEN, Beratungsservice

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